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Zusammenarbeit beim Brainstorming ist ein Muss. Konflikte sind in diesem Prozess nicht unüblich. Wie man diese lösen kann, erkläre ich in diesem Beitrag.

„Brainstorming!“ — Die kreativen Köpfe in der Agentur oder im Unternehmen reiben sich die Hände. Denn für viele von ihnen ist es die liebste Spielwiese, um neue Ideen zu entwickeln und dem üblichen Berufsalltag zu entfliehen. Vielleicht ist das auch deine liebste, kreative Alltagsflucht? Zumindest ist es das Bild in meinem Kopf, wenn ich an diese kreative Methoden zum Finden von Ideen denke.

Das kann aber auch ganz anders laufen … vor allem dann, wenn nicht nur Kollegen mit am Tisch sitzen, sondern auch Vorgesetzte und Führungskräfte. Der Wind dreht sich und es wird alles getan, um die grauen Eminenzen bei Laune zu halten. Eigentlich nicht der Sinn eines kreativen Prozesses, oder? Kann doch die Anwesenheit von Vorgesetzten — seien es die aus den eigenen Reihen oder die des Kunden — für viele Brainstorming-Teilnehmer Unbehagen und Stress auslösen. Der Stimmungskiller eines jeden kreativen Prozesses.

Schlimmer wird die Situation natürlich, wenn sie so abläuft, wie es einige bereits erlebt haben. Meiner eigenen Erinnerung nach ging die Brainstorming-Katastrophe so: Ein Vorgesetzter der Kundenseite saß am Tisch und sollte sich am kreativen Prozess beteiligen. Es kam aber nicht einmal zum Brainstorming, da die Führungskraft schlichtweg an allem etwas auszusetzen hatte, sei es die Vorgehensweise, die Örtlichkeiten oder die teilnehmenden Mitarbeiter auf eigener und/oder Kundenseite.

Zu solch einer Eskalation — wie man sie immer wieder erleben kann — muss es aber nicht kommen. Sei es, dass man auch sekundäre Faktoren wie beispielsweise die Teilnehmerkonstellation berücksichtigt oder feste Kommunikationsregeln aufstellt. In vielen Fällen sind Konflikte und Streitereien sogar eine Bereicherung für das Brainstorming und fördern den kreativen Prozess. In manch anderen Fällen gibt es aber auch Möglichkeiten den Konflikt zu entschärfen, bevor sich beide Parteien sprichwörtlich an die Gurgel gehen.

Wie ein Brainstorming ablaufen kann, worauf man im Vorfeld achten sollte und wie man Konflikte in diesem Prozess lösen kann, erkläre ich in diesem Beitrag.

Wie ein Brainstorming (eigentlich) abläuft

Man kann den Ablauf eines Brainstormings in vier Phasen teilen:

  1. Sammeln und finden von Idee
    Vor dem eigentlichen Brainstorming-Prozess haben sich alle Teilnehmer mit den Regeln vertraut gemacht. Der Moderator schreibt alle gesammelten Ideen auf Karten und hängt diese auf. Die Teilnehmer notieren sich ihre Ideen sicherheitshalber ebenfalls, damit auch keine Idee verloren geht.
  2. Sortieren der Ideen
    In der zweiten Phase werden alle Ideen gemeinsam strukturiert: Können die Vorschläge in Kategorien unterteilt werden? Die Karten werden entsprechend sortiert.
  3. Bewerten der Ideen
    Aussortiert werden Ideen, die sich als unsinnig und nicht umsetzbar herausstellen. Alle Teilnehmer dürfen Kritik an den präsentierten Ideen äußern. Am Ende sollte eine Liste mit guten Ideen übrig bleiben.
  4. Nachbearbeitung
    Nun müssen die gesammelten Ideen ausgearbeitet und verbessert werden. Überlegen Sie sich, welche Schritte für die Umsetzung notwendig sind und verteilen Sie diese Aufgaben im Team.

Klingt doch eigentlich ganz simpel, oder? Ein Brainstorming kann eine einfache Sache sein. Doch wenn manche Regeln nicht eingehalten werden oder sich die Teilnehmer in Phase drei zu scharf äußern, kann die Stimmung schnell kippen.

Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf das Ergebnis des Brainstormings, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. In solchen Situationen kann ein Projekt mit einem Kunden scheitern, weil es zu Streitereien oder Missverständnissen gekommen ist.

Sekundäre Faktoren, die für den Ablauf eines Brainstormings entscheidend sind

Es gibt eine Reihe von sekundären Faktoren, die darüber entscheiden, ob ein Brainstorming gut abläuft oder nicht. Sie sind keine Erfolgsgaranten, aber mit ihrer Hilfe können Streitereien und Konflikte -meistens – vermieden werden:

Alle Teilnehmer sollten sich als gleichwertig betrachten

Wenn Vorgesetzte und Kunden an einem Brainstorming teilnehmen, verändert sich die Atmosphäre. Die Teilnehmer sind vorsichtiger, wollen nicht anecken und versuchen zu gefallen. Als Resultat erhält man Ideen, die an die Wünsche und Vorstellungen der höherrangigen Teilnehmer angepasst sind. Dabei ist es für ein Brainstorming wichtig, dass sich alle Teilnehmer gleichwertig fühlen. Denn nur so entstehen kreative Ideen — über das Silo- und Abteilungsdenken hinaus.

Achte also darauf, dass sich niemand ausgegrenzt oder überfahren fühlt.

 

Gute und effiziente Moderation

Es kommt vor, dass manche Gruppenkonstellationen einfach nicht miteinander harmonieren. Hier kann der Moderator eine wichtige Rolle spielen. Er/sie muss viele Dinge auf einmal beachten können: Die Kreativität der Teilnehmer muss angeregt und die Gruppe effizient angeleitet werden.

Menschenkenntnis und Empathie sind unbedingt notwendig, um unterschwellige Konflikte und Streitereien rechtzeitig zu identifizieren und zu lösen.

 

Eine stressfreie Atmosphäre

Stress ist ohne Frage ein Kreativitätskiller. Aus diesem Grund solltest du Menschen niemals kurzfristig — zwischen Tür und Angel – um Unterstützung bei einem Brainstorming bitten. Teilnehmer fühlen sich sonst schnell gehetzt und unter Druck gesetzt. Bemühe dich daher um eine entspannte Atmosphäre und ermuntere die Teilnehmer, die Business-Denke und den Arbeitsalltag an der Tür abzugeben.

Auch Beziehungen zu Kunden basieren auf Emotionen. Emotionen fördern Kreativität. Diese müssen nur in die richtige Bahn gelenkt werden. Daher ist die Menschenkenntnis des Moderators ein entscheidender Faktor.

 

Regeln für die Kommunikation

Auch wenn es sich beim Brainstorming um einen kreativen Prozess handelt, gehören Regeln für die Kommunikation dazu. Ich habe es oft genug erlebt, dass eigentlich selbstverständliche Regeln aus dem Fenster geworfen wurden: Man lässt andere ausreden, hört in Ruhe zu, greift niemanden verbal an, drängt andere Teilnehmer nicht verbal in eine Ecke oder fährt dem Gegenüber über den Mund.

Dabei sollten wir es doch besser wissen. Besonders beim Brainstorming ist es wichtig, frei und ohne Angst seine — konstruktive — Meinung äußern zu können. Alles andere vergiftet die Atmosphäre. Stell nicht nur verbal die Kommunikationsregeln vor, sondern bereite diese schriftlich auf und verteile diese sichtbar für alle im Raum.

 

Und wenn trotz aller Erwartungen ein Streit oder Konflikt vom Zaun bricht, gilt es Nerven zu bewahren. Denn nicht jeder Streit oder Konflikt muss schlecht sein.

Streit, Konflikt und deren gute Seiten

Nicht alle Menschen sind immer der gleichen Meinung. In vielen Situationen können aufgrund unterschiedlicher Ansichten interessante Diskussionen entstehen oder alternative Sichtweisen und Lösungen gefunden werden.

Meinungsverschiedenheiten können uns auch kreativer machen: Eine Studie des Psychologen Carsten De Dreu der Universität von Amsterdam zeigte, dass jemand, der viel diskutiert, ständig kognitiv herausgefordert ist, seine Gedanken, Taktiken und Argumente anpassen muss — und das meist noch unter dem Zeitdruck eines schnellen Schlagabtauschs. Wer argumentiert ist also im höchsten Maß kreativ und trainiert zugleich diese Fähigkeiten.

Streitereien und Konflikte können sogar gut für’s Team sein. Wird auf einer sachlichen Ebene argumentiert und diskutiert, werden nicht nur die Ergebnisse besser, sondern der Teamgeist wächst. Mitarbeiter lernen sich so anders und besser kennen, als es die übliche Arbeit erlaubt. Ja, Konflikte sollten nicht bewusst provoziert werden. Doch ein offener Umgang mit verschiedenen Standpunkten kann absolut sinnvoll sein.

Liegt ein Konflikt vor? Ja oder Nein?

Wie soll man vorgehen, wenn zwischen zwei Mitarbeitern dicke Luft herrscht?

Man kann sich beispielsweise folgende vier Fragen stellen, um herauszufinden, ob ein Konflikt zwischen den beiden Parteien besteht:

  1. Wer ist von wem wie abhängig?
  2. Gibt es Signale für eine mangelnde Wertschätzung?
  3. Wer beachtet die Bedürfnisse einer anderen Person nicht?
  4. Welche Mitarbeiter sind folglich potenzielle Konfliktpartner?

Kann man all diese Fragen beantworten, sollte man im nächsten Schritt versuchen, den Konflikt zu lösen.

 

So kann man Konflikte schlichten

Tipps für den Umgang mit Konflikten:

  • Was ist das Problem? Versuche den Kern des Konflikts zu verstehen.
  • Warum kam es dazu? Ermittle, was den Konflikt ausgelöst hat.
  • Was wollen die einzelnen Personen? Nehme die Ansichten und Bedürfnisse der Beteiligten ernst.
  • Wer muss was wissen? Mit offener und transparenter Kommunikation kannst du Missverständnisse vermeiden.
  • Was kann die Lösung sein? Ermögliche den Betroffenen eine Beteiligung an der Konfliktlösung.

Verhandeln und Vermitteln: Konfliktlösung mit der Harvard-Methode

Die beiden Professoren Roger Fisher und William Ury von der Harvard University haben die Methode im Rahmen des „Harvard Negotiation Projects“ entwickelt. Das vorrangige Ziel der Methode ist es, eine friedliche Einigung in Konfliktsituationen herbeizuführen. Alle Beteiligten sollen dabei am Ende gut mit der Lösung leben können — gar nicht so leicht, wenn man unterschiedliche Charaktere am Tisch sitzen hat.

Damit die Methode klappt, müssen vier Bedingungen erfüllt sein:

  1. Person und Sache klar voneinander trennen
    Vermische das Problem nicht mit persönlichen Aspekten. Dadurch ziehst du falsche Schlussfolgerungen. Ein vorurteilsfreier und wertschätzender Umgang miteinander funktioniert besser — niemand fühlt sich übervorteilt.
  2. Nicht über Positionen, sondern über Interessen sprechen
    Bei der Suche nach einer Lösung geht es nicht darum, einen Gewinner und einen Verlierer zu definieren. Bringe stattdessen die Interessen aller Beteiligten in Einklang. In unserem Beispiel, ein Konflikt im Rahmen eines Brainstormings, wäre das Ziel aller Teilnehmer die Erarbeitung von Ergebnissen.
  3. Mehrere kreative Optionen entwickeln
    Eine einzig wahre Lösung gibt es nicht. Suche mit den Beteiligten nach Gemeinsamkeiten oder nach alternativen Entscheidungsmöglichkeiten.
  4. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten schaffen
    Wenn du verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten entwickelt hast, stimme gemeinsam mit allen Beteiligten darüber ab, welche Lösung für alle am besten passt.

Brainstorming tut nicht weh — so lange alle zusammenarbeiten

Ergebnis- und ideenlose Besprechungen müssen nicht sein, wenn man weiß, wie ein gutes und erfolgreiches Brainstorming durchzuführen ist. Feste Kommunikationsregeln und eine gesunde Mischung von unterschiedlichen Teilnehmern können dabei helfen.

Entstehende Konflikte und Streitereien müssen nichts Schlechtes sein, wenn man weiß, wie man sie für die Kreativität nutzen kann. Läuft eine Auseinandersetzung doch einmal aus dem Ruder, gibt es die Möglichkeit, mithilfe unterschiedlicher Methoden und ein wenig Menschenkenntnis das Ganze zu lösen.

Solltest du an eine streitlustige Person geraten, immer daran denken:

„Je weniger du auf unhöfliche, kritische, streitlustige Leute reagierst, desto friedvoller wird dein Leben werden.“

— Unbekannt