(M)eine Brainstorming-Umfrage hat viele erwartbare, aber auch überraschende Ergebnisse hervorgebracht. Hier findest du das Feedback aller Teilnehmer.

In diesem Monat habe ich mich ausgiebig mit dem Thema Brainstorming auseinandergesetzt: Du kennst jetzt die Basics, hast eine Übersicht über die verschiedenen Techniken erhalten und weißt, wie du Auseinandersetzungen während einer Session und darüber hinaus lösen kannst. Damit hätte ich den Themenschwerpunkt für diesen Monat abschließen können. Hab ich aber nicht. 😉

Was wäre eine Beitragsreihe ohne den Input von Profis? Eben. Aus diesem Grund startete ich Mitte Mai eine kleine Umfrage mit drei Fragen auf Twitter. Etwa 33 Leute haben mir ihren Input geschickt.

Die Ergebnisse bestätigen viele Dinge, die uns nicht neu sind – bspw. das Einhalten klarer Regeln oder eine gute Organisation. Für mich gibt es aber auch viele neue Erkenntnisse: Mit welchen Tools am liebsten virtuell und vor Ort ein Brainstorming durchgeführt wird oder völlig neue Ansätze, die die Kreativitätstechnik gelungen auf den Kopf stellen oder gänzlich abschaffen.

Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Stöbern und Lesen. 😉

Die drei Fragen der Twitter-Umfrage

Da ich nicht damit gerechnet habe, dass sich so viele Menschen an der Umfrage beteiligen, hatte ich nur die folgenden drei Fragen vorbereitet:

  1. Nutzt du Brainstorming im Rahmen deiner Tätigkeit? Warum / Warum nicht?
  2. Vieles läuft derzeit remote ab. Wie läuft digitales Brainstorming bei dir (und deinem Team) ab? Kannst du zwei Dinge nennen, auf die man achten sollte?
  3. Auf welche Tools und Methoden kannst du beim Brainstorming nicht verzichten?

Interessenten, die sich meldeten, erhielten diese Fragen von mir via E-Mail. Ein umständlicher Prozess, den ich beim nächsten Mal definitiv besser organisieren werde. 😉

Bis auf wenige Ausnahmen hat der Großteil der Teilnehmer auf alle drei Fragen geantwortet. Dementsprechend umfangreich ist dieser Beitrag geworden. Ich hoffe, du findest ein paar Erkenntnisse, die dir bei deinem nächsten Brainstorming helfen können.

Antworten der Teilnehmer sortiert nach Berufsart und -level

Diese grobe Einordnung schien mir am sinnvollsten zu sein. Bei der Auswertung zeichnete sich schnell ab, dass die Teilnehmer aus bestimmten Bereichen kamen: aus großen Unternehmen, Agenturen oder aus der Selbstständigkeit. Es waren nicht nur viele Kommunikatoren dabei, sondern auch eine Reihe von Coaches, Agile Coaches und Gründern.

Das Feedback stammt also nicht nur aus der Branche, für und über die ich schreibe. Die beste Gelegenheit, um mit den folgenden Infos und Tipps über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Antworten von Angestellten aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen

So unterschiedlich wie die folgenden Berufe sind, so unterschiedlich sind auch die Brainstorming-Ansätze. Kreativitätstechniken werden für das Finden von Lösungsansätzen oder als Impulsinstrument verwendet. Das sogenannte Question Storming ist eine beliebte Alternative. Brainstormings werden zwar virtuell abgehalten, aber als Session vor Ort bevorzugt.

Lisa Heite, Solution Assessment Team @Microsoft
Lisa Heite arbeitet beim Solution Assessment Team bei Microsoft in München.

 

Zu 1.: In meiner Rolle habe ich mit Partnermanagement und Sales zu tun. Brainstorming ist für mich eine wichtige Methode, um neue Ideen zu sammeln und Lösungsansätze zu entwickeln. Es ist ein guter Weg, seine Gedanken einmal frei aufzuschreiben und sich am Ende für einzelne Ideen zu entscheiden.

Zu 2.: Im Team stellen wir uns regelmäßig Brainstorming Calls ein, die etwa zwei bis drei Stunden dauern und eine kurze Pause in der Mitte haben. Hier benutzen wir MS Teams mit der Option, auf dem Whiteboard zusammenzuarbeiten oder alternativ ein Dokument in OneNote zu teilen.

Wichtig ist, dass es eine verantwortliche Person gibt, die alles mitschreibt, ohne Filter. Am Ende sollte trotz „freiem“ Brainstorming noch einmal über die Ideen gegangen werden, um Prioritäten festzulegen und konkrete Abmachungen zu treffen, um nach dem Brainstorming auch weiter zu kommen und es effektiv einzusetzen.

Zu 3.: Bei Brainstorming alleine mag ich es immer noch, mit bunten Stiften auf einem Blatt Papier eine Mindmap zu malen oder Ideen irgendwie sortiert aufzuschreiben. Für digitales Brainstorming habe ich Mindmeister ausprobiert, jedoch reicht mir auch die MS Teams Whiteboard und OneNote. Es ist nicht immer ein separates Tool notwendig.

Oliver Herbert, Projektleiter einer Batteriefabrik in Finnland
Oliver Herbert, 49 Jahre, Projektleiter einer Batteriefabrik in Finnland und Reisender der aktuell im Homeoffice festhängt 🙂 .

 

Zu 1.: Immer wieder wenn auch die letzten Jahre weniger als Methode „Brainstorming“, sondern eher als Impulsinstrument zum Strukturieren und wenn alle Beteiligten mal Luft brauchen, um alles rauszuhauen.

Zu 2.: Tatsächlich habe ich Brainstorming die letzten Wochen nicht genutzt. Zumindest so wie ich Brainstorming kenne mit Flip/Karten und Stiften. Was wir immer wieder machen sind ähnliche Sessions mit einem digitalen Whiteboard. Mir kommt dort digital die Mimik, Gestik und körperliche Signale zu kurz. In Brainstoming passiert sehr viel emotionales, das habe ich noch nicht gefunden, wie wir das ersetzen.

Wie im analogen Brainstorming auch brauch es digital noch klarere Regeln wer wieviel beiträgt und alle zum Zuge kommen usw. Im Digitalen besteht noch mehr das Risiko die Menschen, die eher ruhiger sind und nicht immer etwas zu allem sagen müssen, in Sessions zu verlieren.

Meine Aufgabe ist es, allen gleichviel Raum zu geben. Klare Themenstellungen und Brainstormings die Antworten auf gezielte Fragen geben.

Zu 3.: Papier und Stift ggf. Karten ganz klassisch. Und mit MindMap, wenn es etwas Struktur kriegen soll. Und immer mal wieder Miro.

Barbaros Kaman, Agile Coach, Facilitator und Corporate Influencer Deutsche Telekom
Barbaros Kaman ist Agile Coach, Facilitator und Corporate Influencer bei der Deutsche Telekom.

 

Zu 1.: Ich benutze sehr gerne Brainstorming. Brainstorming ist wie ein Eintopf. Alle Zutaten sind alleine gut. Alle zusammen wird es genial.

Zu 2.: Erstmal sind alle Ideen/Vorschläge erlaubt, egal wie komisch es klingen mag. Nach dem die Ideen/Vorschlagsphase durch ist, wird geeinigt, nicht vorher.

Zu 3.: Auf Webex und One Note kann ich nicht verzichten.Insbesondere können viele in One Note gleichzeitig arbeiten.

Svenja Lessing, Scrum Master, Trainerin und Agile Coach bei Arvato eCommerce Verwaltungsgesellschaft mbH
Svenja Lessing arbeitet als Scrum Master, Trainerin und Agile Coach bei der Arvato eCommerce Verwaltungsgesellschaft mbH.

 

Zu 1.: Ich nutze Brainstorming gerne gelegentlich, weil ich viel mit Teams arbeite, die gern sehr früh in detaillierte Diskussionen einsteigen. Die strenge Regel, alle Ideen erstmal zu sammeln und nicht direkt zu bewerten, kann helfen zu üben, Diskussionen erst später zu führen. Wenn die Ideen mal nicht sprudeln wollen, wandle ich auch gerne ab in „Question storming“ – einfach mal alle Fragen unsortiert und unkommentiert aufschreiben, die beantwortet werden müssen, damit Lösungsideen möglich sind. Das kann Perspektivwechsel anregen und Details zutage bringen, an die wir so vielleicht nicht gedacht hätten.

Zu 2.: Unser Lieblingstool ist im Moment Trello. Es ist in MS Teams eingebunden, jeder Kollege und jede Kollegin kennt es und wir können bei Bedarf spontan in jedem Team auf ein Board zugreifen. Wir fangen mit einer „unsortiert“-Spalte an und in späteren Phasen blenden wir weitere Spalten ein, vergeben Labels für Themen, die zusammengehören, und diejenigen, die Lust haben, an einem Thema weiterzuarbeiten, können ihren Avatar direkt einer Karte zuweisen.

Worauf man achten sollte: Es gibt Gruppen, denen es leichter fällt, wenn die Teilnehmer ihre Ideen erst für sich aufschreiben und sie dann gesammelt für alle sichtbar werden. Das sollte man entweder einschätzen oder vorher abfragen. In so einem Fall oder wenn man annimmt, dass das Vertrauen in der Gruppe (noch) nicht so groß ist, kann man ggf. ein anderes Tool nutzen, das diese Funktion und bei Bedarf auch Anonymität bietet, wie z.B. Mentimeter.

Zu 3.: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten! Vor ein paar Monaten hätte ich gesagt, wir brauchen Post-Its und eine große Wand. Dabei ist ja das Tolle an Brainstorming eigentlich, dass man gar nichts braucht außer etwas, wo Ideen aufgeschrieben werden können und einen Platz, wo alle Beteiligten sie sehen können. Das ist aus meiner Sicht der einzige zentrale Punkt: Schriftlich festhalten, zumindest für die Dauer des Brainstormings. Visualisieren kann verhindern, dass man sich doch noch im Kreis dreht, und gibt allen, auch den Leisen, die gleiche Möglichkeit, sich zu beteiligen.

Christian Lipp, Online Marketing Manager bei dfv Mediengruppe
Christian Lipp arbeitet als Online Marketing Manager bei der dfv Mediengruppe. Mag Onlinemarketing und conversionsstarke Landingpages. Gute Musik ist das halbe Leben.

Zu 1.: Ja, ich nutze Brainstorming. Ob für mich selbst oder im Team. Brainstorming hat oft einen schlechten Ruf: zu ineffizent, viel heiße Luft ohne Ergebnis. Ich finde, wie bei jeder Methode, steht und fällt es mit dem Umgang und den Menschen.

Zu 2.: Digitales Brainstorming funktioniert für mich selbst gut. Im Vergleich zur analogen Variante hat sich jedoch aktuell im Team noch kein Tool oder Methodik etabliert, außer z.B. der Protokollierung per Mindmap und die Ergebnisnachhaltung bzw. dem gemeinsamen Arbeiten an z.B. einem Dokument. Wichtig ist jedoch unabhängig vom Medium: zu Wort kommen lassen und nicht bewerten. Und eine stabile Datenverbindung hilft

Zu 3.: „A tool in the hands of a fool is just a tool.“ Wichtig ist, dass sich alle an Regeln halten. Egal ob digitale Kommunikation per Slack, Dashboards, Ordnerstrukturen oder eben Brainstorming. Analog finde ich die Variante gut: jeder notiert im Zeitlimit für sich Ideen, erst dann werden die Ideen nach und nach gesichtet und vorgestellt. Vorteil auch für Introvertierte und ruhig denkende Personen ist, dass sie ihre wertvollen Ideen beizusteuern können. Bonusrunde: zum Schluss nochmal eine abgedrehte Idee scribbeln. Analog sind Klebezettel praktisch, aus denen sich später Cluster bilden lassen. Als digitale Tools bieten sich Trello oder Mindmapping an.

Antworten von Gründern, Geschäftsführern und Inhabern

Brainstorming ist für diese Teilnehmer teilweise wichtigstes Handwerkszeug zur Generierung von Ideen. Die Kreativitätstechniken werden nur genutzt, wenn es darum geht, neue Formate und Inhalte zu entwickeln. Am liebsten wird das Brainstorming virtuell per Videocall (manchmal auch per Telefon) abgehalten. Stift und Papier kommen häufiger bei der Zusammenarbeit mit Kunden zum Einsatz.

Karl Kratz bevorzugt einen ganz anderen Ansatz, den er mit seinen Mitstreitern schon seit Jahren erfolgreich um- und einsetzt. Ein Lesetipp für alle, die etwas völlig anderes ausprobieren wollen.

„Das Ebenen-Modell“: Beitrag | Ted Talk

Franz-Josef Baldus, geschäftsführender Gesellschafter der koelnkomm kommunikationswerkstatt gmbh
Als geschäftsführender Gesellschafter der koelnkomm kommunikationswerkstatt gmbh, der einzigen auf Snack-Content spezialisierten Agentur in der D-A-CH Region, entwickelt Franz-Josef Baldus Kurzvideos, GIFs, animierte Infografiken, Erklärvideos & Co. für Marken und Unternehmen.

 

Zu 1.: Meine Agentur nutzt Brainstorming bei der Entwicklung unserer Snack-Content Kurzvideo-Ideen und -Stories. Brainstorming ist fester Bestandteil im Kreativprozess und wird bei nahezu jedem Projekt angewendet.

Zu 2.: In meinem Team, das aus zwei festangestellen Vollzeitmitarbeiter*innen und mir besteht, läuft das Brainstorming schon seit langem digital ab, da wir alle überwiegend in unseren HomeOffices arbeiten. Hierzu nutzen wir in den meisten Fällen eine Telefonschalte, manchmal eine Videokonferenz – vor allem aber Dropbox-Paper.

Zu jedem Projekt legen wir in unserer Cloud ein neues Paper an, befüllen es (jeder für sich sowie gemeinsam) mit textlichen und visuellen Ideen – und kanalisieren die Ideen anschließend im Rahmen des Kreativprozesses.

Worauf man achten sollte:

  • Volle Konzentration auf das Thema, ohne jede Ablenkung.
  • Jeder sollte die „kreativen Motoren“ anwerfen können, die zu ihm/ihr passen. Das können Bilder, Texte oder auch gar nichts sein. Daher ist der Zugriff zum Internet während des Brainstormings unverzichtbar.

Zu 3.: Auf das Telefon sowie auf Paper können wir gewiss nur schwer verzichten.

Jens Stoewhase, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH
Jens Stoewhase ist einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH. Das Unternehmen publiziert eigene Medien für die Automobilindustrie, berät Unternehmen und Verbände in ihrer B2B-Kommunikation und produziert digitale Inhalte wie Texte, redaktionelle Newsletter, Podcasts und Videos.

 

Zu 1.: Mein Team und ich – wir produzieren sehr viel Content in jeder Woche. Davon ist viel nachrichtlich, weil wir für verschiedene KundInnen B2B-Newsletter, Podcasts, Blogtexte und Pressemitteilungen produzieren. Da wäre ein regelmäßiges Brainstorming vermutlich zu viel.

Allerdings entwickeln wir auch ständig neue Konzepte oder passen bereits bestehende an und da wird dann auch ein Brainstorming notwendig. Dabei geht es oft um Teilbereiche, die noch mal hinterfragt werden müssen oder ganz neue Projekte in der Kommunikation für einzelne KundInnen.

Zu 2.: Aktuell sind es meist Telefonate oder Videokonferenzen, die wir innerhalb der Gruppe der Beteiligten abhalten. Das kann mit oder ohne die KundInnen passieren. Da werden dann Ideen ausgetauscht. Manchmal braucht es im Anschluss noch etwas Bedenkzeit. Ich glaube, es gibt Themen, die man schnell entscheiden sollte, andere sollte man etwas im Kopf hin- und herdenken.

Wenn wir Brainstormings im Büro durchgeführt haben und hoffentlich auch bald wieder durchführen können, dann gibt es das klassische Flipchart mit großer Runde um den runden Tisch und wir sammeln Ideen, diskutieren sie anschließend und treffen Entscheidungen. Mir ist da die offene und gleichberechtigte Diskussion wichtiger als der formale Ablauf eines Brainstormings.

Bei einem ehrenamtlichen Projekt, an dem ich aktuell mitwirken darf, läuft es etwas anders. Dort wird auch sehr auf das Formale Wert gelegt. Gleichzeitig wird sehr auf die Rede- und Diskussionskultur geachtet. Das ist für mich eine spannende Erfahrung und wirkt zukünftig sicherlich auch unbewusst in den nächsten beruflichen Situationen nach.

Wenn ich eigene Projekte (Texte, Podcasts, Malerei) angehe, dann arbeite ich in der Brainstormingphase sehr assoziativ. Ich versuche mich immer von verschiedenen Positionen aus einem Thema zu nähern. Dadurch komme ich vom Hündchen aufs Stöckchen. Es entsteht meist eine Art Brutto-Liste von einzelnen Ideen und Punkten zu einem Projekt. Ein paar Tage oder Wochen später gibt es dann eine Revision der Liste. Aus Brutto wird Netto und somit ein Umfang, der auch umsetzbar ist. Seit ich den Startup-Ansatz vom Minimal Viable Product kenne, ist das oft der Ausgangspunkt bei der Umsetzung.

Ich weiß gar nicht, ob ich der Richtige bin und sagen sollte, worauf man bei Brainstormings zu achten hat. Vielleicht hilft anderen Leuten eher, wenn ich sage, worauf ich für mich achte.

a. Ideen schmeiße ich fast grundsätzlich nicht weg, sondern sammle sie in meiner Notizen-App vom Smartphone. Die ist durchsuchbar und oft habe ich alte Ideen zu einem späteren Zeitpunkt in einem Projekt wieder rausgeholt und sie waren dann Anstoß für eine Weiterentwicklung.

b. Bei kreativen Projekten braucht es bei mir Geduld. Neulich habe ich ein Bild angefertigt, das auf einer Skizze aus meiner Abizeit von 1995 basierte. Die Leinwand mit einem bereits angelegten Hintergrund wurde schon vor zwei Jahren angefertigt. Und letzten Monat entstand dann eben ein Bild, das sich schon bei der Produktion als wirklich gelungen anfühlte. Ähnlich war es schon bei Podcast-Projekten. Da hab ich mehr als zwei Jahre auf den Ideen „herumgekaut“, bis ich für mich das Gefühl hatte, jetzt weiß ich, was ich wirklich machen will.

c. Perspektivwechsel – bei Projekten für KundInnen recherchiere ich immer wieder nach, wie sieht deren Kundschaft aus und was haben diese Leute für Probleme und Herausforderungen. Da hilft Empathie, habe ich für mich gemerkt.

Zu 3.: Für ein großes Brainstorming mit Team setze ich sehr gern auf eine analoge Gruppensituation, ganz klassisch: Stifte, Papier und Flipchart. Ich habe das Gefühl, eine ruhige und sachliche Atmosphäre sorgt für Konzentration und offenes Denken.

Egal ob analog oder digital, die Mindmap sowie die schon beschriebene Brutto-Netto-Liste sind mir die liebsten Tools. Man kann Prozesse veranschaulichen und Beziehungen sowie Abhängigkeiten aufzeigen. Das hilft mir insbesondere gegen Ende des Brainstormingprozesses, wenn es um Ergebnisse gehen muss.

Foto © Lou Van Door | instagram.com/louvandoor_photography

Karl Kratz, Inhaber karl kratz online marketing
Karl Kratz, Inhaber karl kratz online marketing.

 

Wir nutzen intern „Brainstorming“ so gut wie überhaupt nicht. Aus meiner persönlichen Erfahrung und Sicht ist Brainstorming nicht unbedingt effizient, wenn es darum geht, echte Innovationen zu erschließen. Damit „erledigt“ sich praktisch auch Frage 2 und 3.
Wir nutzen das „Ebenen-Modell“; insbesondere die Verschränkung artfremder Ebenen-Modelle, um systematisch (und mit einem hohen Maß an Intuition) Innovation zu erzeugen.
Die daraus resultierenden Ergebnisse werden dann im Rahmen von A/B-Tests auf ihre Wirksamkeit hin getestet.
Ich entwickle das Ebenen-Modell seit 2001 kontinuierlich weiter und es war z.B. integraler Bestandteil meiner Online-Marketing-Seminare, Innovation-Seminare und -Vorlesungen.

Antworten von Selbstständigen

Die Teilnehmer, die am stärksten vertreten war, bei der die Meinung zu Brainstorming teilweise auseinanderging. Die einen betreiben gar kein Brainstorming und manche nutzen nur die klassischen Methoden. Eine kleine Gruppe von Teilnehmern entwickeln mittlerweile ihre eigenen individuellen Lösungen (siehe Falk Hedemann, Renate Welkenbach oder Eva List). Alle Selbstständigen sind sich einig, dass eine Session ohne Agenda, gute Organisation und Moderation sinnlos und Zeitverschwendung ist. Auch mit der Gruppendynamik kann die Entwicklung von Ideen ein Erfolg sein oder scheitern.

Das Lieblingstool der Selbstständigen für virtuelle Brainstorming scheint Miro zu sein. Wenn die Befragten für sich selbst oder mit dem Kunden vor Ort arbeiten, sind die bevorzugten Werkzeuge Stift und Papier. Die Kreativitätstechnik, die von fast allen befragten Selbstständigen genutzt wird, sind Mind Maps – umgekehrtes Brainstorming ist ein weiterer Favorite.

Wer mehr zum Tool Miro erfahren möchte, sollte sich den Erfahrungsbericht von Irene Michl durchlesen:
Mein erster Post-it-Online-Workshop vom 8. Mai 2020

Ulrike Hanky-Mehner, UHM Kommunikation
Ulrike Hanky-Mehner unterstützt Agenturen und Unternehmen dabei, Kommunikation erfolgreich zu gestalten. Zudem arbeitet sie als Moderatorin, Coach und Keynote-Speakerin. Bis 2018 war sie geschäftsführende Partnerin der Havas PR Germany.

 

Zu 1.: Ich nutze Brainstorming, aber eher selten mit klassischen Techniken wie Disney, 6-3-5 oder Osborn.

Zu 2.: Wir beleuchten die Aufgabenstellung im Team von allen Seiten und aus allen denkbaren Perspektiven, schauen unter jeden Stein und hinter alle Kulissen. Keine Lösungsansätze! Die Aufgabe ruht in den Köpfen, während sich jeder in seinem persönlichen Umfeld bewegt (Familie, Freizeit, Sport). An den Synapsen zwischen Beruf und entspannter Privatheit entstehen in meiner Erfahrung die besten Lösungsansätze. Jede*r bringt eine oder mehrere davon in die nächste Session mit. Das funktioniert im persönlichen Meeting, aber auch problemlos remote.

Zu 3.: Ich liebe es, im kreativen Ideenprozess auf Mindmapping mit Sketchnotes zu setzen. Das verleiht komplexen Gedanken eine charmante Leichtigkeit.

Falk Hedemann, Freier Journalist, Mitherausgeber des UPLOAD Magazins
Falk Hedemann arbeitet seit vielen Jahren als freier Journalist für verschiedene Fachmagazine und ist Mitherausgeber des UPLOAD Magazins. Er berät Unternehmen bei der Strategie, Konzeption und Umsetzung von Content-Projekten.

 

Zu 1.: Für mich ist Brainstorming in verschiedenen Situationen sehr hilfreich. Ich arbeite ja häufig in unterschiedlichen Funktionen in Content-Teams und nutze Brainstorming gerne zum Aufbau eines Content-Ideen-Pools, den man anschließend für den Redaktionsplan nutzen kann. Dabei versuche ich möglichst viele unterschiedliche Personen an einen Tisch zu holen, damit sie ihre eigenen Perspektiven einbringen können. Das hat übrigens auch schöne Nebeneffekte: Beim Brainstorming kann man Menschen sehr gut kennenlernen, wenn man die Aufgabe mit genügend Freiraum stellt. Mit etwas Übung und viel Empathie kann man fast schon in die Köpfe der Teilnehmer/-innen schauen und sie anschließend viel besser einschätzen. Das erleichtert mir meine Arbeit ungemein. Unterschwellig geschieht das dann auch in der Gruppe, die mit regelmäßigen Brainstormings als Team zusammenwachsen kann. Ich erkenne dabei oft auch Hierarchien in der Gruppe und Hemmnisse bei Einzelnen und kann entsprechend gegenwirken.

Und was man nicht vergessen darf: Ein gutes Brainstorming macht Spaß und ist eine willkommene Abwechslung. Es kann die Motivation und das Engagement steigern, da die Teilnehmer/-innen sich aktiv einbringen können. Damit das gelingt, muss ich mich allerdings auch gut vorbereiten. Denn wenn dieses kollaborative Werkzeug noch nicht bekannt ist, kann es anfänglich auch mal etwas holprig sein. Da muss ich dann unterstützen und hilfreiche Impulse geben.

Zu 2.: Wie bei vielen anderen Dingen auch, funktioniert das Brainstorming remote etwas anders. Es ist nach meiner Erfahrung keine gute Idee, das beispielsweise über eine Videokonferenz zu machen. Zum einen lebt das Brainstorming von der Situation und den plötzlichen Geistesblitzen der Teilnehmer/-innen und das geht in einem Zoom-Call nur sehr schlecht, weil entweder alle durcheinander reden oder der kreative Moment abgewürgt wird, wenn man mit seinen Gedanken warten muss, bis man an der Reihe ist. Natürlich kann man das mit etwas Übung auch hinbekommen, aber es ist dann eben nur eine digitale Behelfslösung einer analogen Arbeitsform. Und es gibt auch Menschen, die sich nicht richtig trauen, aktiv ihre Gedanken mit anderen zu teilen – da kann eine Videokonferenz eine zusätzliche Hürde darstellen. Will ich deren Potenzial nicht verschenken, muss ich sie unterstützen.

Viel besser wäre es meiner Ansicht nach, wenn man Remote-Brainstorming komplett neu denkt und dabei die Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit konsequent nutzt. Eine konkrete Möglichkeit wäre z.B. eine Brainstorming-Session über eine Kollaborationsplattform wie Slack stattfinden zu lassen. Dazu würde ich alle Beteiligten in einen Channel zusammenbringen (vielleicht nehme ich sogar noch eine externe Person/Perspektive dazu?) und das Brainstorming als Moderator mit Fragen steuern. Wichtig wäre, dass es dafür einen definierten Zeitrahmen gibt, damit die Session synchron verläuft und jeder auch von den Gedanken der anderen profitieren kann. Mit diesem Setup wird es auch für diejenigen leichter sich zu beteiligen, die bei Präsenz- oder Videomeetings meist sehr still sind.

Je nach Zielsetzung des Brainstormings könnte ich im Anschluss eine Zusammenfassung als Ergebnis präsentieren oder es gibt weitere Stufen zur feineren Ausarbeitung. Ich könnte beispielsweise eine Liste mit den interessantesten Ideen erstellen und zur Abstimmung an die Teilnehmer/-innen zurückspielen.

Zu 3.: Das mag sich jetzt merkwürdig anhören, aber als Initiator sollte ich auf alle Tools und Methoden verzichten können. Es geht schließlich nicht um mich, sondern um das Miteinander der Gruppe. Bekannte Methoden wie Design Thinking, Mind-Mapping oder Business Model Canvas können natürlich hilfreich sein, deren Stärken liegen für mich aber eher in der strategischen Konzeption. Zur Vorbereitung gehört es deshalb, abzufragen, mit welchen Tools und Methoden die Gruppe bereits Erfahrungen gemacht hat und was sie sich wünschen würden. Wer dagegen mit einer der Gruppe unbekannten oder unbeliebten Methode startet, verschwendet wichtiges Kreativpotenzial. Viel wichtiger ist für mich eine offene, kreative und wertschätzende Atmosphäre, in der sich alle Beteiligten frei „austoben“ können.

Anna Hübner, Social-Media-Beraterin „social unterwegs“
Anna Hübner ist als Social-Media-Beraterin „social unterwegs“, um mit ihren Kunden Geschichten zu entdecken, die ihre Location einzigartig machen. Ihre Kunden sind vor allem Destinationen, Kultureinrichtungen und Gastronomiebetriebe.

 

Zu 1.: Brainstorming hilft mir viele Ideen, die ich im Kopf habe, hinsichtlich Blogbeiträgen, Content Planung für die sozialen Netzwerke oder konzeptionelle Dinge, erst einmal zu formulieren  und zu sammeln. Sind sie einmal aus dem Kopf, ist dort wieder Platz und ich kann in die Strukturierung gehen: Was passt wo genau? Wie kann ich die Idee für mich oder andere beschreiben oder visualisieren? Wovon hängt die Idee ab? Worauf baut sie auf? Was folgt oder sollte folgen? Wofür ist die Idee nützlich, für meine Kanäle oder die meiner Kunden?

Zu 2.: Als Freiberuflerin nutze ich Brainstorming meistens für mich allein. Ich schnappe mir dann einfach ein Blatt Papier und kritzle drauf los. Manchmal gibt es bereits einen Titel/eine übergeordnete Idee mit Unterkategorien. Dann hilft Mind Mapping. Bunte Farben helfen bei der Struktur und sehen einfach schön aus. Wenn es um Strukturierung geht, haben mir Farben schon beim Lernen für das Abitur und für das Studium geholfen.

Wenn das Brainstorming auch für andere sichtbar sein soll, dann sind natürlich digitale Tools hilfreich, gerade jetzt in Zeiten von Homeoffice oder internationalen Teams. Manchmal reichen schon Chat- oder Gruppenfunktionen, um einen Thread zu eröffnen und Ideen aus dem Team zu sammeln. Hilfreich finde ich dabei Microsoft Teams oder Slack. Es muss ja nicht immer visuell sein.

Zu 3.: Mind Mapping ist mein absoluter Favorit, wenn es um Brainstorming geht und ich meine Ideen strukturieren möchte. Im Workshop mit Kunden, die vor Ort ablaufen, helfen Metaplankarten und bunte Stifte sowie ein Board zum Anpinnen. Brainstorming ist hier zum Beispiel fester Bestandteil beim Content-Audit.

Philipp Hüwe – Onlinemarketingpunk
Philipp Hüwe – Onlinemarketingpunk. Ich habe manchmal bunte Haare und mache seit 20 Jahren Kommunikation, seit 10 Jahren mit dem Fokus auf Online und Paid Social. www.onlinemarketingpunk.de

 

Zu 1.: Brainstorming ist für mich immer ein Teil der Konzeption. Der Anteil ist je nach Aufgabenstellung mehr oder weniger. Gerade bei komplett neuen Projekten hilft Brainstorming alle Facetten mit einzubeziehen und nachher zu clustern. Dabei fliegt dann später auch wieder viel raus, aber wenigstens hat man zu Anfang alles einmal auf dem Tisch gehabt…

Zu 2.: Das ist völlig abhängig davon, ob ich das Brainstorming alleine oder im Team durchführe. Alleine ist das oftmals ein längerer Prozess mit vielen Pausen. Nur nichts erzwingen. Besser einen Spaziergang im Wald machen und beim Geistesblitz dann fix alles ins Handy schreiben.

Bei einem Brainstorming im Team helfen Tools wie Online-Whiteboards recht gut. Die Grundregel „erstmal ist alles richtig“ gilt für beide Prozesse. Ebenso, dass auch ein Brainstorming strukturiert laufen sollte, man sich vorher also durchaus einige Fragestellungen überlegt, die mit dem Brainstorming beantwortet werden sollen  – insbesondere bei Online-Zusammenarbeit ist eine gewisse Disziplin wichtig.

Zu 3.: Whiteboard / Flipchart für MindMaps etc… sind für mich meistens ausreichend. Im nächsten Schritt dann beispielsweise ein Trello-Board, je nach Aufgabenstellung….

Pia Kleine Wieskamp, Sorytellerin, Kommunikationsexpertin, Autorin, Trainerin, Gründerin von POINT- PR.
Pia Kleine Wieskamp trainiert und coacht seit einigen Jahren Firmen sowie Fach- und Führungskräfte in den Themengebieten digitale Kommunikation und Marketing mit den Themenschwerpunkten Storytelling und Visual Storytelling. Ihre jahrelange Arbeit als Journalistin, Redakteurin, Bloggerin sowie PR- und Marketingmanagerin für TV, Magazine und Verlage schärfte ihren Blick für das Wesentliche.

 

Zu 1.: Ich nutzt sehr viel Brainstorming – einerseits beispielsweise zur Erstellung von Texten, aber auch zu Konzeption neuer Trainingsinhalte oder zusammen mit Kunden in den Workshops und Coachings. Viele Menschen sind der Meinung, dass Brainstorming nicht ausreichend brauchbare Resultate erbringen. Meiner Meinung hängst es von der Aufgabenstellung ab. Lassen ich den Teilnehmern zu großen Freiraum, sind die Ergebnisse nicht sehr konkret und austauschbar. Erschaffe ich ein gemeinsames Bild und stelle dann konkrete Fragen (Aufgaben), ergeben die Brainstorming-Sessions gute Ergebnisse.

Zu 2.: Persönlich mag ich es lieber, bei einem Brainstorming Papier und Stifte in der Hand zu halten und in einem Team beispielsweise Post-Its. Remote arbeite ich zurzeit in Online-Workshops und mit Kunden. Dort nutzen wir verschiedene Tools – u.a. auch Papier und Stifte und die Resultate werden eingescannt, abfotografiert oder in die Kamera gehalten. Ich habe den Eindruck, dass je nach Wissens- und Übungsstand zu viel Technik die Kreativität überlagert. So kommen auch bei der Verwendung beispielsweise von Post-Its kaum Skizzen verwendet werden, auch wenn ich darum bitte. Die Teilnehmer sind oft ungeübt und scheuen sich „unperfekte“ Gedankenzeichnungen abzuliefern.

Zu 3.: Ich liebe Post-Its, da diese farblich geordnet, mit Überschriften versehen. Aber auch Tools wie Sticky Notes, Whiteboards, Mindmaster und Miro sind gerade bei einem remote arbeitenden Team sinnvoll. Eine Weiterentwicklung vom Brainstorming ist gerade bei Projektarbeiten ein Kanban-Sheet, denn hier werden auch einem täglichen Brainstorming auch bereits geleitete Teilarbeiten eingeordnet und im Team überlegt, was gemacht werden kann, wenn es an einer Stelle hapert. Die ist notwendig, wenn Projekte nicht genau vorhersehbar sind und ständig on the Flow angepasst werden. Ein Beispiel ist her die Arbeit des Redaktionsteams der WhatsApp-Story „ich Eisner“ des BR.

Christian Krohne, Krohne PR
Christian Krohne entwickelt PR-Strategien für Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und der Finanzbranche und hilft ihnen dabei, ihre Stimme zu finden und in der Öffentlichkeit hörbar zu machen.

 

Zu 1.: Ich häufig mit neuen bzw. wechselnden Projekten und Kunden zu tun. Daher gehören ausgiebige Brainstorming-Sessions für mich zum Tagesgeschäft – und bringen meiner Meinung nach sehr viel, da man sich ganz gezielt Zeit nimmt, um Ideen zu einem bestimmten Thema zu entwickeln und dabei alle Perspektiven und Szenarien durchdenken kann.

Zu 2.: Auch, wenn es sich beim Brainstorming per se um einen relativ spontan ablaufenden Arbeitsprozess handeln, kann man sich vorab zumindest schon ein paar erste Gedanken machen, die man während der Brainstorming-Session dann vielleicht schon etwas weiterführen kann. Daher ist es absolut sinnvoll, ein paar Notizen zu machen, um die ersten Gedanken zu einem Thema zu ordnen. Ebenso sinnvoll ist es, sich für das Brainstorming zeitliche Limits zu setzen – unter Druck läuft das Gehirn oft zu Hochform auf, sodass bessere Ideen in kürzerer Zeit entstehen.

Zu 3.: Ich benutze keine besonderen Tools.

Hilge Kohler, Trainerin, Coach und Ghostwriter
Als Trainerin, Coach und Ghostwriter hilft Hilfe Kohler Menschen, im Beruf Klartext zu reden und gehört zu werden. Sie unterstützt Führungskräfte darin, ihre rhetorische Kompetenz zu stärken, Veränderungen zu kommunizieren und die Kommunikation im Unternehmen zu gestalten.

 

Zu 1.: Auf jeden Fall. Mit Kolleg*innen, wenn wir Workshops und Trainings entwickeln. Allein, wenn ich eine Rede oder eine Artikel schreibe. Und in meinen Workshops, wenn Teilnehmer*innen Fallstudien oder reale Probleme lösen.

Zu 2.: Das Wichtigste und Schwierigste: Ausreden lassen und Wort ergreifen. Das geht gut am “virtuellen Tisch”, einer Methode, bei der wir uns gegenseitig das Wort erteilen oder reihum gehen. Auch wenn ich das kreative Chaos analoger Brainstorming Session liebe – im Digitalen helfen mir Struktur und Disziplin. Außerdem: Nicht von der Technik stressen lassen. Jede*r sitzt irgendwann zum ersten Mal am interaktiven Whiteboard, schiebt Sticky Notes herum und verzweifelt, wenn das Tool nicht gehorcht. Bevor der Technik-Frust den kreativen Prozess hemmt, schreibe ich lieber Wörter auf ein gemeinsames google doc, auch wenn das weniger fancy ist.

Zu 3.: Vor allem Mind Mapping zum Assoziieren: am liebsten analog und allein mit Stift und
Papier. Auch Inspirationsquellen: Analog nehme ich Bilder oder Gegenstände, digital tut’s ein kreativer Bildhintergrund oder ein kunstvoll strukturiertes Whiteboard. Und dann brauche ich Bewegung, um meine Gedanken in Gang zu bringen: Ich muss gehen oder gestikulieren, am Bildschirm lieber stehen als sitzen.

Eva List, Texterin
Als Marketingrakete mit Schwerpunkt Text zündet Eva List neue Ideen im Kopf und im Business ihrer Kunden. Sie begleitet sie dabei, sich abzuheben und geschmeidig durchs Marketing-Universum zu gleiten. Mit raketenstarken Texten und jeder Menge Content-Zündstoff.

 

Zu 1.: Ja, das mache ich täglich und meistens unbewusst. Für mich ist Brainstorming grenzenloses denken. Bei mir fliegen jeden Tag eine Menge Funken durch den Kopf. In meinen 1:1 Content-Coachings begleitet uns das Brainstorming durchgängig. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass ALLE IDEEN ausgesprochen werden, ohne sie zu werten oder kategorisieren.

Zu 2.: Wenn ich mit mir alleine brainstorme, dann ganz klassisch mit Papier und Stift. Sobald ich zum Beispiel meine Ideen in den PC tippe, bin ich schon begrenzt und abgelenkt. Mit Zettel und Stift fühle ich mich frei. Ich kann alles so zu Papier bringen, wie es aus mir herauskommt. Bisher habe ich noch kein digitales Tool verwendet. Stopp – stimmt nicht ganz. Ich habe eine Sprach-App, falls Zettel und Stift gerade nicht zur Hand sind (mein Smartphone habe ich in der Regel immer dabei).  In diese App quatsche ich dann meine spontanen Geistesblitze.

Zu 3.: Zettel und Stifte brauche ich unbedingt. Außerdem habe ich einen kleinen Splean. Wenn ich einkaufen gehe, dann nehme ich mir IMMER die kostenlosen Supplements und Magazine mit. In meinem Büro liegt ein ganzer Stapel an Zeitschriften. In meinen Coachings habe ich auch immer einen ganzen Berg an Magazinen dabei. Wenn ich darin blättere, dann inspirieren mich die Bilder und Worte darin. Für viele meiner Kunden sind die Magazine eine kleine Starthilfe ins Brainstorming.

Ilona Matusch, Business-Schreibtrainerin
Business-Schreibtrainerin Ilona Matusch lebt und arbeitet in Wien, ist Creative-Writing-Coach und berät Unternehmen zu Kommunikationsstrategien. www.schreibkueche.at Foto: Ian Ehm

 

Zu 1.: Brainstorming ist für mich mehr, als nur Ideen sammeln, es unterstützt beim Reflektieren und Lernen. Es ist wichtiger Teil meiner Arbeit als Schreibtrainerin und Kommunikationsberaterin. Egal, ob alleine oder in der Gruppe, in Workshops, Online-Seminaren und Coachings.

Zu 2.: Ich achte darauf, dass die Gruppendynamik immer genügend Aufmerksamkeit bekommt: Ankommen, einstimmen, gemeinsam arbeiten, reflektieren und ritueller Abschied sind fixer Bestandteil, egal wie kurz die Einheit ist. Die Moderationsrolle vorab für alle klar zu definieren ist auch ein guter Tipp.

Zu 3.: Je nach Thema, Aufgabe, Dringlichkeit und Stimmung variiere ich meist drei Methoden und kombiniere sie: Clustering nach Gabriele Rico, Freewriting (freies assoziierendes Schreiben) und das gemeinsame Lautdenken und Schreibdenken in der Gruppe. Online setze ich dazu gern https://zumpad.zum.de/ ein und ich arbeite über Zoom.

Nina Mülhens, Kommunikationsexpertin & Unternehmerin
Der Fokus von Nina Mülhens liegt auf der Kommunikation und Positionierung von Geschäftsführern:innen mittelständischer Unternehmen, Start-ups, Agenturen, Verbände oder gemeinnütziger Organisationen mit dem Ziel, sie in digitalen Zeiten als Marke und Gesicht des Unternehmens aufzubauen.

 

Zu 1.: Ja, Brainstorming ist für mich eine häufig genutzte Kreativ-Technik, die für mich ideal ist, gemeinsam neue Ideen oder Lösungen zu entwickeln.

Zu 2.: Zuerst wird die Problemstellung kurz umrissen, dann kann jede:r drei Gedanken für sich notieren und digital am Board anpinnen. Im Anschluss sprechen wir darüber und schauen ob und wie wir Begriffe wie in einer Art Mindmap verbinden können. Dass Brainstorming erfolgreich ist, setzt voraus, dass Regeln im Vorfeld definiert werden wie bspw., dass Kritik zu früh ist an dieser Stelle und wenig konstruktiv, stattdessen Rumspinnen erwünscht ist und am Ende Begriffe erst aussortiert werden. Wichtig ist auch, dass die Gruppe nicht zu groß ist und jeder zu Wort kommt.

Zu 3.: Ich nutze gerne ein AWW Board oder Miro. Beide Tools sind einfach in der Bedienung, und man kann relativ schnell zu wirklich guten Ergebnissen kommen. Methodisch arbeite ich gerne mit Pinnwand-Karten, bei den Tools mit digitalen. Darüber hinaus setze ich auf die Hemingway Methode, denn draußen kommen mir ganz viele Ideen in den Sinn, die ich direkt im iPhone notiere.

Christian Müller, Sozialpädagoge, Kommunikations- und Digitalisierungsbegleiter
Christian ist von Haus aus Sozialpädagoge. Seit vielen Jahren darf er als Kommunikations- und Digitalisierungsbegleiter Menschen und Organisationen im Bildungs- und Sozialbereich unterstützen.

 

Zu 1.: Ja und nein ?. In meiner Arbeit mit Teams bei KundInnen sind Brainstorming und Kreativmethoden sehr wichtig, um die realen Bedarfe und Wünsche der Menschen zu identifizieren und neue Themen und Wege zu finden. In meiner eigenen Arbeit findet Brainstorming kaum strukturiert statt, weil wir im Team einfach genug kommunizieren und uns gegenseitig inspirieren.

Zu 2.: Wir arbeiten ohnehin primär im Home-Office und remote, daher hat sich für uns – bis auf den KundInnenkontakt – nicht viel verändert. Entscheidend sind vor allem zwei Punkte: 1.Überlege genau, ob es wirklich ein Gespräch sein muss (egal ob in persona oder via Video) oder ob schriftliches Denken nicht besser und präziser ist. 2. Dokumentiere die Gedanken und Ideen und verteile diese Aufgabe klar im Team.  

Für mich ist nichts frustrierender, als in einem Meeting oder einer Videokonferenz zu sitzen, die eine E-Mail hätte sein sollen. 

Zu 3.: Wir setzen für unsere Kommunikation auf Stackfield, zum kreativen Kollaborieren schätze ich Conceptboard sehr. Für mich selbst ist auch OneNote als Sammelstelle wichtig und natürlich mein ganz analoges BulletJournal. Manchmal sind Papier und Stift einfach wichtig, um (kreativ) zu denken.  

Norbert „Nordbergh“ Diedrich, Freelancer für Text/Redaktion, Contenterstellung und Contentstrategie
Norbert „Nordbergh“ Diedrich, Freelancer für Text/Redaktion, Contenterstellung und Contentstrategie – seit 20 Jahren in PR, Marketing, Redaktion tätig, seit 2014 selbständig.

 

Zu 1.: Ja – mal mehr, mal weniger. Je nach Auftragsart, aber eigentlich regelmäßig.

Häufige Anwendungen:

  • Themensuche (früher bei Upstalsboom im Blog)
  • Artikelaufbau, Erzählfaden im Rahmen eines gegebenen Themas
  • Selten aber schön, Beispiel: Social Media-Clips für Upstalsboom – also klassisches inhaltliches Brainstorming

 

Zu 2.: Das kommt darauf an, ob ich alleine etwas entwickle oder als Teil eines Teams.

Allerdings weiß ich nicht, was ich unter „digitalem Brainstorming“ verstehen muss. Brainstorming ist Brainstorming. Das kann man aus meiner Sicht höchstens digital dokumentieren oder in die Kommunikation einbeziehen.

Ich habe mich noch nie für bestimmte Methoden interessiert. Insofern läuft das bei mir idR auf zwei Arten ab.

Allein

  • Nochmal Briefing überprüfen. Ist da alles drin, was ich an Infos für den Auftrag brauche? Wenn nicht, gar nicht erst anfangen, sondern sofort abbrechen und fragen.
  • Mich komplett freimachen im Kopf und nur auf das Thema fokussieren. Die Gedanken fliegen lassen – und zwar je nach Stimmung. Meistens aber gerne am Schreibtisch. Denn da bin ich ohnehin auf die Arbeit fokussiert.
    Alleine, ohne irgendeinen Austausch und möglichst ohne Internet (Suche nach Beispielen, Inspirationen etc.). Erstmal gucken, was alleine rauskommt. J
  • Normalerweise dauert es keine Stunde, bis ich merke „ok, da kommt heute nichts bei rum“ oder „ok, da läuft was an“. Im ersten Fall für den Tag abbrechen.
  • Wenn es läuft, mache ich schriftlich Notizen. Sofern zeitlich möglich mache ich so lange weiter, wie es läuft. Danach nochmal kurz über die Notizen drüber und mindestens 24 Stunden ablegen. Wenn es am nächsten Tag immer noch taugt, weitermachen.

Im Team

  • Das A und O für mich im Team ist, dass ich zwischendurch immer wieder Zeit habe, alleine über alle Ideen drüber zu gehen und für mich zu sortieren.
  • Die Abwechslung von zusammen und alleine brainstormen empfinde ich oft als sehr anregende Dynamik.
  • Das Brainstormen im Team bevorzuge ich, weil man externe Anregungen bekommt. In einer guten kreativen Atmosphäre kann mich eigentlich alles nur weiter bringen – entweder, weil ich es mag oder weil ich es nicht mag, mich damit aber wie ein Ausschlussverfahren unterstützt.
  • Wenn die Richtung des Teams eine wird, die ich nicht favorisiere, ist das in der Regel kein Problem. Oft genug erlebt, dass am Ende etwas Besseres dabei rauskommt, als man alleine erdacht hat/hätte. Natürlich hat alles Grenzen. Aber in Rahmen eines vorhergehenden, guten Briefings sollte das nicht passieren… ist mir bisher noch nicht passiert.

 

Zu 3.: Essentiell sind für mich einige Grundregeln für ein Brainstorm im Team – also auch ein Art Tool: Regeln.

  1. Alles darf gleichberechtigt auf den Tisch, jede Idee, egal von wem.
  2. Regel 1 darf nicht zum Selbstzweck werden. Nach einer gewissen Zeit sollte man Ideen mit dem Briefing abgleichen. Das kann aber in mehreren Runden geschehen.
  3. Ich halte es von Vorteil, wenn eine oder zwei Personen speziell damit beauftragt sind, nach einer ersten Runde, die Ideen mit dem Briefing abzugleichen und das am Anfang einer zweiten Runde Kund tut.
  4. Ich halte es generell von Vorteil, immer mehr als eine Brainstorm-Runde anzusetzen.

Ansonsten nutze ich nur ein leeres Word-Dokument.

Kreative Tools, Methoden empfinde ich persönlich als einschränkend – jedenfalls das, was ich bisher kennengelernt habe. Tools oder Methoden, die ausschließen, dass ich zwischendurch auch mal ganz alleine brainstorme und das anschließend einbringen kann, würden für mich die Teilnahme an einem ernsthaften Brainstorm im beruflichen Kontext ausschließen.

Barbara Schieche, Kommunikationsberaterin und Texterin
Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in strategischer Kommunikationsberatung liegt der Schwerpunkt von Barbara Schieche heute auf Struktur und Inhalt von Websites, Microsites (zum Beispiel für Google Ads-Kampagnen) und Blogs. Nach wie vor konzipiert und formuliert sie auch Marketingmaterialien (vor allem Whitepapers), die gedruckt werden. Ende 2018 ist sie weg aus München in ein Dorf in Nordschwaben gezogen. Einige ihrer Kunden haben inzwischen die Ruhe hier für intensives Brainstormen schätzen gelernt.

 

Zu 1.: „Dann lass uns dazu mal ein erstes Brainstorming machen.“ Sagt ein Kunde diesen Satz, dann meint er meistens: „Lass uns mit allen mal reden/zusammensetzen.“ Unvorbereitet, ohne Agenda. Solche Arten von »Brainstormings« sind meines Erachtens pure Zeitverschwendung. Es handelt sich hier ja auch wohl kaum um ein Brainstorming, wie man es gerne verstanden haben möchte, nämlich als gemeinsamen kreativen Prozess. Der ist – so meine Erfahrung – gefragt, wenn es um das Finden eines neuen Namens geht oder um Maßnahmen für mehr Kundenorientierung oder die Vorbereitung eines Kundenevents. Nicht jedoch, wenn es ein klar definiertes strukturiertes Vorgehen braucht – zum Beispiel für das Verfassen eines Whitepapers. Dazu benötige zumindest ich kein Brainstorming, sondern eine Gliederung – und die bekomme ich effizient über strukturierte Fragen und nicht mit einem »Laber-Meeting«.

Somit lautet meine Antwort: Ja, ich nutze das Instrument Brainstorming dort, wo es tatsächlich passt. Wie gesagt sehr gern beim Finden eines neuen Namens oder von neuen Maßnahmen zu Marketing und Vertrieb. Dort steige ich dann gern mit einer »Gegenteil-Frage« ein, zum Beispiel: „Was können wir tun, um unsere Kunden nachhaltig zu vergraulen?“ Oder: „Welcher Name weckt garantiert die falschen Assoziationen?“

Zu 2.: Gar nicht. Tut mir leid, meine Erfahrung mit Brainstormen via Online-Meetings ist durchwegs schlecht. (Das liegt vor allem an der in der Regel nicht einwandfrei funktionierenden Technik. Hier bin ich auf die Tipps aus Deiner Umfrage gespannt). Brainstormen am Telefon geht dagegen recht gut, vor allem weil man sich frei bewegen kann. Zum Denken muss zumindest ich hin und herlaufen können. Am besten funktionieren natürlich „Klausurtage“ inklusive ausgedehntem Spaziergang. Fern von Büro und Terminkalender lässt es sich, so meine Erfahrung, am besten brainstormen. Ein ganzer Tag Auszeit ist gut investiert, so eines meiner Kundenfeedbacks, wenn man zum Beispiel eine komplett neue Website inhaltlich konzipieren will. Damit sind die beiden Dinge, auf die man meines Erachtens auf jeden Fall achten sollte: ausreichend Zeit bzw. kein Zeitdruck und möglichst raus aus der gewohnten Büroumgebung. Kreativität wächst meiner Meinung nach dort am besten, wo man vollkommen frei ist.

Zu 3.: Auf Schokolade und Gummibärchen. Im Ernst: Bei meinen analogen Brainstormings bringe ich stets haufenweise Süßigkeiten mit – zur Freude aller Beteiligten. Und eine Methode habe ich bereits genannt: Erst einmal in die entgegengesetzte Richtung denken. Dies bringt Spaß und lockert die Hirnwindungen, so dass das Brain nur so stormt. 🙂

Doris Schuppe unterstützt Menschen auf dem Weg ins digitale Neuland
Doris Schuppe (@DoSchu) unterstützt Menschen, die anders arbeiten möchten, auf ihrem Weg ins digitale Neuland www.rayaworx.eu/doschu.

 

Zu 1.: Schon seit ich Artikeltexte plane notiere ich mir erst mal alles, was mir zu einem aktuellen Thema einfällt. Ich nutze mein persönliches Brainstorming weiterhin für Trainings, Sessions oder Business. Für Events notieren wir in kleiner Runde alles, was uns spontan einfällt. Mögen die Ideen noch so verrückt sein, sie regen die Gedanken an. Und erst im nächsten Schritt kümmern wir uns um die Machbarkeit.
Zu 2.: Wenn das Brainstorming über den Chat eines Videokonferenz-Tools geht, ist es gut, niemanden unter Druck zu setzen. Auch das Mitlesen kann dazu führen, dass jemand denkt, es klänge viel besser als die eigene Idee. Daher ist es prima für jede Runde alle einzuladen, drei Minuten lang ihre Gedanken in den Chat zu schreiben, aber erst auf Signal abzusenden.
Sehr gelungen finde ich die Möglichkeit auf einem Online-Whiteboard Ideen zu sammeln. Wenn alle als Gast mit Fantasiename dabei sind, kann es sein, dass die verrücktesten Ideen notiert werden – es weiss ja niemand, wer es geschrieben hat.
Zu 3.: Bunte Klebezettel, Whiteboard oder Notizbuch und Stifte! Obwohl ich sehr digital aufgestellt bin, gerade bei Brainstorming mache ich mir schnell schriftliche Notizen oder male ein Mindmap. Das läuft für mich deutlich spontaner als Tippen: Da denke ich als langjährige Texterin schon gleich zu viel an Formulierungen und Rechtschreibung. Inzwischen bin ich Fan von Online Whiteboards und Mindmap-Software – super fürs Brainstorming im verteilten Team.
Renate Welkenbach, freie Beraterin, Gestalterin, Sprecherin & Trainerin
Als freie Beraterin, Gestalterin, Sprecherin & Trainerin sät Renate Welkenbach WIRKSAMEN® für überzeugende Kommunikation: wertschätzend und zukunftsweisend.

 

Zu 1.: Brainstorming oder auch andere Kreativitätstechniken sind ständiger und wiederkehrender Teil in meiner Arbeit. Der größte Nutzen liegt meiner Ansicht nach in der bewussten Abschaltung des aus kognitionswissenschaftlicher Sicht beliebtesten Tools: der persönlichen Meinung. 😉 Gerade deshalb ist es auch so nützlich, denn es ermöglicht, sich auch mit „blöden“ Ideen auseinanderzusetzen und das geht meistens damit einher, dass wir uns aus gewohnten Bewertungsmustern lösen. Kurz: Brainstorming bietet für mich die Chance auf neue Perspektiven und damit die Voraussetzung für Innovation.

Zu 2.: Für digitales Brainstorming gibt es bei mir zwei Wege:

a) Schreiben oder Tippen einer Liste mit Begriffen zum Thema in Einzelarbeit, anschließend Sammeln der Ergebnisse im Chatverlauf, der gespeichert wird.
b) Direkt in Mural oder Miro: Zuerst wird einfach gesammelt – und zwar mit jeweils einem Begriff pro digitalem Sticker.

In beiden Varianten sind alle Beteiligten parallel via Zoom verbunden. Wenn wir merken, dass die (neuen) Ideen nachlassen, fangen wir an darüber zu reden oder Fragen zu unklaren Formulierungen zu stellen. Eventuell wird anschließend noch thematisch geclustert und dann über das weitere Vorgehen entschieden.

Zu 3.: Klebezettel / Sticker / Post-it – egal ob analog oder digital. Im Gegensatz zur einfachen, geschriebenen Liste wird dadurch anschließend die Möglichkeit zum Sortieren eröffnet. In Präsenz-Meetings oder Trainings nutze ich statt Post-its auch gerne Moderationskarten, die die Menschen dann beschriftet auf dem Boden ablegen; das bedeutet, dass die Leute zwischen den auf dem Boden liegenden Moderationskarten herumlaufen, sich so inspirieren lassen und gleich noch weiterführende Gedanken auf separaten Karten daneben legen können.

Antworten von Experten aus Agenturen

Auch hier bevorzugen die befragten Teilnehmer ein gut strukturiertes und geplantes Brainstorming vor Ort. Im virtuellen Raum fehlt oft die Aufmerksamkeitspanne, um gute Ideen zu entwickeln. Wird ein Brainstorming doch einmal virtuell durchgeführt, braucht es kürzere Sessions und mehrere Pausen. Betont wurde auch, dass die Ergebnisse unbedingt für alle Session-Teilnehmer transparent kommuniziert und dargestellt werden muss. Agentur-Experten scheuen sich aber nicht davor, neue Techniken, wie Gamestorming, Design Thinking oder Liberating Structures, auszuprobieren.

Ein weitere interessante Methode, um Ideen, Themen und Inhalte zu entwickeln, stellt Sascha Stoltenow, Partner bei Script Communications, in seinen Antworten vor. Die Agentur hat hierfür einen sogenannten „Thementrichter“ entwickelt:
So finden Sie Themen, die beim Publikum zünden.

Anne Beutel, Director Business Development bei FleishmanHillard Deutschland
Ich bin Anne Beutel, Director Business Development bei FleishmanHillard in Deutschland und kümmere mich um alles was die inhaltlich-strategische Weiterentwicklung unseres Geschäfts betrifft.

 

Zu 1.: Regelmäßig! Ich glaube nicht an die Geistesblitze unter der Dusche von genial-kreativen Menschen. Klar gibt es die und Ideen müssen auch einmal unterbewusst reifen. Aber um erste Ansätze zu sammeln für Probleme und Fragestellungen, lohnt es sich immer, strukturiert verschiedene Perspektiven und Hintergründe an einen Tisch zu holen.

Zu 2.: Ich gehe offline gern methodisch vor – das versuche ich auch in den digitalen Raum mitzunehmen. Typischerweise gibt es dann eine ganz kurze Rahmung zum Thema, ein Warm-Up zum Anregen der kreativen Geister, eine Brainstorming-Methode für Gruppen, eine Evaluation und ein kurzes Wrap-Up mit next steps und Feedback.

Dafür nutzen wir in der Regel Microsoft Teams und entweder Miro als digitales Kollaborationstool oder eine leere PPT-Slide zum virtuellen Post-IT-Kleben.
Wichtig für mich dabei:
  1. Remote ist die Konzentration einfach nicht lang zu halten – daher lieber kürzere Sessions oder nach spätestens einer Stunde eine Pause einlegen.
  2. Ergebnissicherung für alle sichtbar – so kann man sich von den Ideen der anderen noch besser inspirieren lassen und keine Idee geht verloren.

Zu 3.: Eine weiße „Wand“ zum Sammeln der Ergebnisse; ob nun analog, eine leere PowerPoint Slide in einem shared doc oder ein digitales Whiteboard zur Kollaboration (ich bevorzuge Miro).

Eine klare Fragestellung ist unverzichtbar – denn damit hat man so viel Einfluss auf die Qualität der Ergebnisse. Eine präzise, aber offen formulierte „Design-Frage“ lenkt die Gruppe, ohne sie einzuengen oder den Output zu limitieren.

Evaluationsmethoden sind super hilfreich, um die Schwarmintelligenz nicht nur für das Sammeln, sondern auch die Bewertung der Ideen zu nutzen. Ich liebe die How-Wow-Now-Matrix. So identifiziert man echte Diamanten mit hohem Impact und wenig Aufwand, die Quick Wins für schnelle, kleine Schritte vorwärts und die Ideen, die noch nicht ganz reif sind, aber Potenzial haben.

Alina Lipka, UX&I GmbH
Alina kommt aus der Agentur und Start-up-Szene und brennt für agiles Inbound Marketing, bei dem der Kunde wirklich im Mittelpunkt steht. Sie arbeitet bei Deutschlands erster UX-Beratung UX&I.

 

Zu 1.: Eigentlich starte ich bei jedem neuen Projekt oder Thema mit Brainstorming.  Dabei achte ich darauf, Kollegen mit möglichst unterschiedlichen Blickwinkeln einzubeziehen. Der Output erspart einem nicht nur Zeit, sondern es kommen auch Ideen zum Vorschein, auf die man alleine nicht gekommen wäre.

Zu 2.: Bei remoten Brainstorming sollte man darauf achten, dass man so gut es geht die gleichen Gegebenheiten schafft, wie vor Ort. Das heißt: Das Team schaut auf eine gemeinsame Arbeitsfläche und hat die Chance interaktiv zu arbeiten.

Bei UX&I arbeiten wir hierfür mit dem virtuellen Whiteboard Miro. Die Post-its werden digital abgebildet und können wie in einem Kreativraum verschoben werden.

Außerdem hilft uns eine für das Meeting definierte Rednerreihenfolge, um zu gewährleisten, dass jeder zu Wort kommt. Hierfür ist es wichtig, einen Moderator für das Meeting zu haben.

Zu 3.: Aktuell könnte ich in der Tat nicht auf Miro verzichten. Es macht super viel Spaß und es ist faszinierend, wie effektiv Workshops damit durchgeführt werden können. Was bei uns häufig zum Einsatz kommt: eigene Arbeitsfläche für Teilnehmer mit genügend Post-its, eine Stoppuhr und Punkte für Dotvoting.

Sascha Stoltenow, Partner bei Script Communications in Frankfurt
Sascha Stoltenow, Partner bei Script Communications in Frankfurt. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Unternehmenskommunikation und Content-Strategie. Das unterrichtet er auch im Masterstudiengang an der FH Joanneum in Graz. Außerdem hat er gemeinsam mit der h_da in Dieburg im Jahr 2013 das Content Strategy Camp ins Leben gerufen. Im Web erreicht ihr ihn unter @BendlerBlogger.

 

Zu 1.: Für uns bei Script ist eine wesentliche Herausforderung von öffentlicher Kommunikation unterschiedliche Perspektiven zu integrieren. Brainstormings sind damit quasi Pflicht. Außerdem gibt es kaum bessere Möglichkeiten, um das Wissen und die Erfahrungen aller Kolleg*innen in kurzer Zeit zu bündeln.

Zu 2.: Wir haben mehrere Task Forces ins Leben gerufen, die sich unterschiedlichen Aspekten in der Corona-Pandemie widmen. In unterschiedlichen Konstellationen sprechen wir dann via Videokonferenz darüber, was die aktuelle Entwicklung für die Unternehmenskommunikation, die B2B-Kommunikation, Meetings und Workshops und natürlich auf für uns als Agentur bedeutet. Zwei Tipps: Es ist wichtig, alle zu beteiligen – aber nicht alle an allem, und eine verbindliche Struktur ist hilfreich.

Zu 3.: Ich mag Denkwerkzeuge, die robust sind. Damit meine ich, dass sie auch einfach nur mit Stift und Papier funktionieren, also ohne großen technischen Aufwand umsetzbar sind. Ich nutze sehr gerne unterschiedliche Quellen von Gamestorming über Design Thinking und Content-Strategie bis zu Liberating Structures. Und natürlich Methoden wie den Thementrichter, den wir selbst entwickelt haben.

Antworten von Experten aus NGOs

Brainstorming ist auch hier das wichtigste Tool, um Idee und Themen zu entwickeln. Ohne vordefinierte Strukturen und eine gute Organisation geht es aber auch auch bei den NGOs nicht.

Marc Groß, Landesgeschäftsführer beim DRK BaWü
Marc Groß, Landesgeschäftsführer beim DRK BaWü. Sie helfen überall da, wo sonst keiner mehr hilft.

Zu 1.: Wenn man tatsächlich diese komplexe Welt ein Stückchen besser machen will, braucht es ungewöhnliche Ansätze und Mut zur Kreativität. Brainstorming ist dementsprechend für mich ein natürlicher Teil des Arbeitsalltags geworden.

Zu 2.: Die Atmosphäre ist auch in einer digitalen Umgebung von zentraler Bedeutung. Kreativität braucht Raum zur Entfaltung und definierte Rahmenbedingungen, um den Fokus im Auge zu behalten. Darüber hinaus sollte man die Teilnehmenden im Vorfeld technisch abholen, um einen konzentrierten Ablauf zu gewährleisten und eventuell vorhandene Ängste abzubauen.

Zu 3.: Mit Mural kann man selbst klassische Elemente darstellen und gemeinsam im virtuellen Feld neue Ideen skizzieren. Mindmaps sind auch zielführend, insbesondere wenn es um den Weg der Ideeierung geht.

Antworten von Pressesprechern und Kommunikatoren aus Unternehmen

Brainstorming wird hier im Team, aber auch häufig als Einzelperson durchgeführt. Virtuell und vor Ort wird am liebsten mit Mind Maps gearbeitet. Brainstorming wird gerne genutzt, wenn man für sich selbst Ideen entwickelt. Wenn es ein virtuelles Brainstorming sein muss, greifen viele zu dem Tool Conceptboard.

Ein Punkt, den Pressesprecher und Kommunikatoren betonen: Brainstorming laufen hier besonders gut, wenn sich die Teilnehmer vorab schon Gedanken gemacht haben. Ideen erst in der Session zu entwicklen, betrachten diese Teilnehmer als weniger erfolgreich.

Charlotte Gerling, Pressesprecherin Allianz
Charlotte Gerling ist Pressesprecherin bei der Allianz.

 

Zu 1.: Ja, auf jeden Fall. Gerade wenn man selbst länger an einem Thema arbeitet, leidet irgendwann die Kreativität. Dank Brainstorming bekommt man noch einmal frische Ideen und einen neuen Blick auf die Sache.

Zu 2.: Seitdem wir remote arbeiten, haben wir noch nicht in größerer Runde gebrainstormt. Aber was online Brainstorming oft verstärkt: Ruhige Kolleginnen und Kollegen kommen noch weniger zu Wort. Hier unbedingt drauf achten, sie aktiv miteinzubeziehen oder teilweise Brainwriting einsetzen.

Zu 3.: Ich bin ein Fan davon, erst einmal ohne Restriktionen zu denken. Welche verrückten Ideen hat man zu dem Thema? Was wäre, wenn Geld keine Rolle spielt? Und was ich bei größeren und/oder inhomogenen Gruppen auch als erfolgreich (und lustig!) erlebt habe, war Lego Serious Play. Da werden alle Teilnehmer eingebunden und man kommt zu einem gemeinsamen Ergebnis.

Caroline Harsch, Presssprecherin InterNations
Caroline Harsch ist Pressesprecherin für eine internationale Community, PR Coach und Bloggerin. Ihr Ziel ist es, Unternehmer*innen, Gründer*innen und Selbstständigen zu zeigen, wie sie selbst PR für sich und ihr Business machen können.

 

Zu 1.: Ja, denn im Austausch mit den Kolleg*innen entstehen in der Regel die besten Ideen. Gerade wenn es darum geht, neue Content- und Kommunikationsformate zu finden, funktionieren Brainstormings sehr gut. Jede*r bringt einen anderen Blickwinkel ein und vieles, das für eine Person total klar ist, ist für eine andere Person nicht verständlich.

Zu 2.: Die digitalen Sessions verlaufen leider etwas schleppender als im Büro und es kommen oft die gleichen Personen zu Wort. Remote ist es leichter, sich „auszuklingen“, wenn man gerade keine Lust hat, und schwerer zu Wort zu kommen, wenn man sich nicht richtig traut. In meinem Team sind viele junge Mitarbeiter*innen, bei denen ich das stark merke. Daher finde ich, dass bei remote Sessions eine gute Moderation noch wichtiger ist als face-to-face. Der oder die Moderator*in sollte darauf achten, dass der Redeanteil einigermaßen fair verteilt ist und jede*r zu Wort kommt.

Zu 3.: Keine Ahnung, ob das unter „Methoden“ fällt, aber ich finde es wichtig, dass jede*r sich auf das Thema vorbereitet. Brainstormings, die komplett bei Null beginnen, sind weniger erfolgreich, da man sich leicht in grundlegenden Diskussionen verliert. Da verschwendet man nur Zeit. Wenn jede*r sich vorab auf das Thema einstimmt, kommt man schneller an den Punkt, ab dem wirklich gute Ideen entstehen.

 

Melanie Seidel, Chief Community Officer der Voycer AG
Melanie Seidel verantwortet als Chief Community Officer den Bereich Customer Success der Voycer AG. Sie unterstütz Kunden darin erfolgreiche interaktive Customer Experience Plattformen und Communities aufzubauen – unter anderem mit den Erfahrungen, die sie beim Aufbau von gutefrage.net gesammelt hat.

 

Zu 1.: Ich nutze Brainstorming regelmäßig sowohl im Team, auch abteilungsübergreifend sowie in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Ich verantworte den Bereich Customer Success bei Voycer, einem Software-Anbieter für Customer Experience-Lösungen, um unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen, müssen wir uns immer wieder auf neue Branchen und Anforderungen einstellen. Hier hilft ein gut moderiertes Brainstorming enorm, beispielsweise für die initiale Entwicklung von Persona oder der Konzeption von Kampagnen zum Community-Aufbau.

Wir profitieren hierbei von der Kreativität des gesamten Teams und verhindern gleichzeitig eine gewisse „Betriebsblindheit“.  Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass wir damit auch das Team-Gefühl stärken oder in dem Fall, dass wir das Brainstorming mit unserem Kunden gemeinsam machen, sehr viel über die jeweiligen Mitarbeiter erfahren und so eine noch bessere Basis für die Zusammenarbeit schaffen.

Zu 2.: Zuerst gelten weiterhin alle üblichen Regeln eines Brainstormings also:

  • ausreden lassen
  • jeden Gedanken zu lassen (und sei er noch so absurd)
  • zunächst nicht werten
  • und keine Kritik an den Ideen anderer

Im digitalen Raum ist die Rolle des Moderators noch wichtiger, man muss sehr viel genauer auf die auf die Spielregeln und die Kommunikation achten, denn wild durcheinander reden wird schwierig. Hier sollte der Moderator am besten die Teilnehmer direkt ansprechen und den Beitrag einfordern, den ein „Abtauchen“ von Teilnehmern, die eher schüchtern sind, wird so auch verhindert. Sollte man eine wichtige Ergänzung zu einem gesagten Punkt haben, sollte man unbedingt die Funktion „Handheben“ z.B. in Team nutzen oder ein anderes Zeichen vereinbaren.  Im Idealfall ist der Moderator nicht Teil der Brainstorming-Runde, damit er sich ganz auf seine Moderatorenaufgabe konzentrieren kann.

Zu 3.: Die wichtigsten Tools, sind im digitalen nicht viel anders als im Brainstorming vor Ort. Bewährt haben sich hier für mich digitale Whiteboards, MS OneNote sowie MindMeister.  Wenn der Moderator Zugänge hat und parallel alles dokumentiert und dabei seinen Bildschirm teilt, dann muss nicht einmal unbedingt jeder einen Zugang besitzen.

Meine liebsten Methoden sind unabhängig  davon ob das Brainstorming digital oder vor Ort stattfindet  und sie dienen vor allem dazu die Kreativität der Runde zu fördern:

Die Kopfstand-Methode: Hierbei wird nicht nach der bestmöglichen Lösung gesucht, sondern nach dem genauen Gegenteil. Z.B. eine Kampagnen-Idee für den Sommer – dann entwickeln wir eine Kampagne, die so schlecht wie möglich zum Sommer passt. Darüber verändert man seine Perspektive und gelangt zu ganz neuen nicht so naheliegenden Ideen wie Sonne, Strand und Meer.

Die ABC-Methode liefert auch eine Fülle an Ideen, Man sucht zu jedem Buchstaben im Alphabet mindestens ein Wort, das in irgendeinem Kontext zur Fragestellung steht. Dadurch werden häufig ganz neue Zusammenhänge erkannt und spannende Ideen entwickelt.

Zu guter Letzt mag ich noch die Methode „Rollen-Tausch“. Hier beantwortet man die Frage aus der Perspektive einer anderen Person, der  Kunde als Dienstleister, der Mitarbeiter als Vorgesetzter, der Entwickler als Marketingmanager oder auch aus dem Blickwinkel einer fiktiven Person. Diese Methode hilft einmal seine gewohnte Perspektive zu verlassen und ganz neue Argumente und Ansätze für eine Lösung zu finden.

Jana Kim Weser, Corporate Communication Manager bei KRÜSS
Jana Kim Weser ist bei KRÜSS im Team der Geschäftsleitung für die interne Unternehmenskommunikation verantwortlich und leitet unter anderem Projekte zur Entwicklung der Unternehmenskultur.

 

Zu 1.: Im Team nutzen wir Brainstorming immer dann, wenn zum Beispiel ein neues Projekt ansteht oder für ein neues Problem eine kreative „out of the box“ Lösung gefunden werden soll. Im Kleinen nutze ich Brainstorming sehr gern in Form von Mindmaps, wenn ich Texte über ein mir neues Thema verfasse. Auf diese Weise sortiere ich vor dem Schreiben meine Gedanken und stelle sicher, dass ich mehrere Aspekte beleuchte.

Zu 2.: Beim digitalen Brainstorming ist es noch einmal wichtiger, darauf zu achten, dass jedes Teammitglied gleichermaßen einbezogen wird. Um dies sicherzustellen sollte vorab ein Moderator festgelegt werden. Da mit den vorhandenen Möglichkeiten beim remote Arbeiten nicht immer die gleichen Materialen wie etwa ein Flipchart oder ein Whiteboard zur Verfügung stehen, bietet es sich an, den Brainstorming-Prozess in mehreren Sitzungen zu machen: Eine Person bringt die gesammelten und geclusterten Ideen aus der ersten Sitzung in eine Struktur, welche dann als Grundlage zum weiteren Diskutieren und Bewerten genutzt wird.

Beide Dinge gelten natürlich auch für nicht-digitale Brainstormings. Des Weiteren kann das digitale Brainstorming auch einige Vorteile mit sich bringen. Wir nutzen in größeren Videokonferenzen gerne Tools wie Live-Umfragen, Daumen hoch/runter Emojis oder andere Techniken um Sofort-Feedback zu sammeln. Auch die Möglichkeit Meetings aufzuzeichnen ist hin und wieder hilfreich und viel unkomplizierter als bei nicht-digitalen Brainstormings.

Zu 3.: Mein Lieblingstool ist das Erstellen von Mindmaps. Bei Mindmaps sind keine Grenzen gesetzt und trotzdem erstellt man beim Erarbeiten bereits eine grobe Struktur und kann Verknüpfungen leichter erkennen und herstellen. Darüber hinaus gefällt mir die Walt-Disney-Methode sehr, bei der alle Teilnehmer zusammen in verschiedene Rollen schlüpfen (den Träumer, den Realisten und den Kritiker).

Silke Plötzner, Head of External Communication for Power Vertical Transmission, Siemens AG
Silke Plötzner ist seit 25 Jahren im Marketing und Kommunikationsbereich tätig und habt sowohl in kleinen Agenturen, Lifestyle Companies oder jetzt für Industriefirmen gearbeitet und das wirklich im ganzen Spektrum der Kommunikation. Ungewöhnlich, da sie einen sehr introvertierten und pragmatischen Charakter hat.

 

Zu 1.: Ja ich nutze es. Vorzugsweise bei Themen in denen ich festgefahren bin oder als Opener in neuen Teamzusammensetzungen.

Zu 2.: Auf Grund von unterschiedlichen Locations und auch Zeitzonen arbeiten wir mit Conceptboard. Ich stelle dort oder per Mail oder MS Teams Planner Fragen, Denkanstöße oder erkläre mein Problem und schaue dann bewußt ca. 2 Tage nicht auf die Rückmeldungen. Dann sammle ich alles, setze einen Call auf und stelle da allen Input vor und wir diskutieren nochmal. Remote muss man meiner Erfahrung nach, den Leuten mehrere Antwortmöglichkeiten bieten um so eine Komfortzone zu schaffen. Mehr Zeit lassen, da die „Aufgabe“ entweder über Call/Schriftlich/Video gestellt wird brauchen viele länger die Aufgabenstellung zu verstehen und zu verarbeiten.

Zu 3.: Remote: Conceptboard, Teams, Videocalls

Antworten von Experten aus dem öffentlichen Dienst und aus dem Hochschulwesen

Für kreative Arbeit bleibt hier oft nicht die Zeit oder die Rahmenbedingungen passen nicht, um ein Brainstorming durchzuführen – was schade ist. Die einzige Möglichkeit kreativ zu arbeiten, ist, für sich selbst Kreativitätstechniken zu nutzen. Auch hier überwiegt die Nutzung von Mind Maps mit Stift und Papier.

Nathalie Hammes, Projektmanagement Intranet, Universität des Saarlandes
Nathalie Hammes ist Kultur- und Kommunikationswissenschaftlerin, interessiert sich für Kommunikation & Sprache im Allgemeinen und soziale Medien, Bloggen und Webdesign im Besonderen und fotografiert gerne die Natur. Nach rund neun Jahren in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit arbeitet sie aktuell an der Universität des Saarlandes als Projektmanagerin am Projekt „Intranet“ sowie im Digitalisierungsteam der Uni.

 

Zu 1.: Ich nutze diese Kreativitätstechnik eher nicht. Ich sage in der Tat oft „dann lasst uns mal „brainstormen“, meine damit aber eher, schnell umsetzbare und vor allem machbare Ideen zusammenzutragen. In meinem Arbeitsbereich ist oft ein Rahmen vorgegeben, zeitlich und/oder finanziell; da bleibt für das Kreative eh nicht immer so viel Platz. Parallel neige ich dazu, viele Ideen schon gleich in Grund und Boden zu stampfen, wenn diese eh nicht im Projektrahmen bleiben. Ich persönlich finde diese Vorgehensweise zeitraubend. Entsprechend beschäftige ich mich nicht mit Brainstorming. Zur Ideenfindung nutze ich eher Mindmapping.

Zu 2.: In der Tat laufen fast alle Gespräche über digitale Tools, meist in Videokonferenzen, wobei jedem freigestellt ist, ob er seine Kamera einstellt oder nicht. Entsprechend leidet meiner Meinung die Kommunikation in Bezug auf die nonverbale Kommunikation: Man hat keine Mimik und Gestik des Gegenübers mehr, man spricht langsamer, deutlicher oder auch lauter. Ich persönlich finde, online Gruppendiskussionen sind so eher schwierig umzusetzen. 

Daher würde ich Brainstorming mit digitalen Tools unterstützen, eventuell je nach IT-Ausstattung gemeinsam an einem Whiteboard, in Trello oder XMind arbeiten. Je nach Gruppengröße könnte man überlegen, die Personen in mehrere Gruppe aufzuteilen. Für entsprechende Web-Calls würde ich die Moderationsrichtlinien noch einmal durchsprechen.

Zu 3.: Mein Lieblingstool sind die klebrigen, quadratischen Notizzettel 🙂 Aktuell arbeite ich gerne auf dem Windows Surface mit dem Whiteboard und Stift. Das Whiteboard kann ich zwecks Zusammenarbeit mit anderen teilen. Es funktioniert gut. Wobei ich sagen muss, dass diese Zusammenarbeit mit meinen Kollegen auch auf Papier gute Ergebnisse bringen würde; die zwischenmenschliche Ebene hat meiner Meinung ebenfalls Einfluss auf Ergebnisse, da bringt das beste digitale Tool nichts. 

Anna Carla Springob, Pressesprecherin Bezirksregierung Arnsberg
Anna Carla Springob ist Pressesprecherin und Social-Media-Managerin der Bezirksregierung Arnsberg.

 

Zu 1.: Brainstorming nutze ich gerne für mich selbst. Freies Gedanken- und Ideenfließenlassen ist wichtig, macht den Kopf frei und ich werde dabei kreativer. Auch in Meetings und Absprachen hilft „freies Assozieren“ gerade am Anfang, um sich auf eine Arbeitsgrundlage zu einigen.

Zu 2.: Kann ich derzeit wenig zu sagen, da wir zurzeit zwar teils remote arbeiten, Brainstorming dort aber nicht eingesetzt wird.

Zu 3.: Zettel / Flipchart und Stift ;-). Gerade beim Brainstorming bin ich gerne sehr haptisch unterwegs und habe auch die Erfahrung gemacht, dass sich in Meetings Teilnehmer*innen mit der Methode Brainstorming – die viele erstmal nach dem Motto „planlos geht der Plan los“ kritisch beäugen – leichter tun, wenn es analog zugeht.