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Konkrete Vorstellungen zu kommunizieren ist eine Herausforderung. Nicht nur zwischen Familien, Paaren oder Freunden. Vor allem zwischen Kunde, Agentur und/oder Freelancer kommt es zu Missverständnissen. Wer möchte da nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen?!? Gute Kommunikationskonzepte stehen und fallen mit dem Briefing. Ein Teufelskreis droht, wenn es bereits an dieser Stelle an der Kommunikation zwischen den Beteiligten scheitert. Was ist zu beachten?

Wie lassen sich schlechte Kommunikationskonzepte vermeiden? In dem man bereits beim Briefing versucht, alles richtig zu machen. Kunden wissen in vielen Fällen, was ihre Herausforderung ist. Allzu oft scheitern sie allerdings daran, diesen Bedarf auch richtig zu kommunizieren. Besonders gravierend bei Kommunikationskonzepten.

Denn wenn es keine klare Aufgabenstellung gibt, dann kann der Kommunikator meilenweit daneben liegen. Gut also, wenn man als Dienstleister oder Kommunikationsabteilung vorher weiß, wie man an ein gutes Briefing kommt.

 

 

Woher kommt das Briefing?

Ursprünglich stammt der Begriff aus dem militärischen Sprachgebrauch. Früher wurde unter Briefing eine Lagebesprechung verstanden, bei der die aktuellen Befehle verteilt wurden. Mission-Briefings enthalten Aufgaben und Befehle für eine Militäroperation.

Das Wort selbst stammt aus dem Englischen und steht für “kurz” (engl. brief). Daneben gibt es aber noch das sogenannte Rebriefing, das nichts anderes als ein Informationsaustausch nach einem Briefing ist. Auf Update-Briefings greift man zurück, um sich gegenseitig auf den aktuellsten Stand zu bringen. Nach einem Ereignis oder einer schwierigen Situation folgen oft Debriefings. Hier wird das Geschehene kurz ausgewertet und in einen passenden Kontext gesetzt.

In der Kommunikation, Werbung oder im Marketing beschreibt das Briefing Informationen über Entwicklungen, Konkurrenz, Wettbewerbsvorteile, Ziele, Zielgruppen und Anforderungen.

 

Warum die Ansprüche an Briefings steigen

In der Kommunikations- und Marketingwelt trauert man gerne den schönen, alten Zeiten hinterher. Früher hatte man eine überschaubare Auswahl an Instrumenten und klare konzeptionelle Regeln. Das Briefing passte also auf eine Serviette.

Heute steht man einer Vielzahl von Kanälen gegenüber – nicht nur analog, sondern auch digital. Längst hat man sich umorientiert und bietet ganzheitliche Kommunikationskonzepte und -strategien an. Strategie und Beratung stehen im Vordergrund. Disziplinen wie Werbung, Marketing, PR oder Dialogmarketing müssen an einem Strang ziehen und übergreifend zusammenarbeiten.

Klar das auch ein Kommunikationskonzept durch diese Veränderungen komplexer wird. Gleichzeitig dient es Kunden, Agenturen und Kreativen als Orientierungshilfe. Denn wer verliert nicht schnell den Überblick, wenn crossmedial gedacht und gearbeitet werden muss.

Somit ist auch das Briefing nicht nur eine Arbeitsanweisung, sondern eine Anleitung für die folgende strategische Umsetzung. Der Auftraggeber gibt mit diesem Papier die Richtung und die Zielsetzung fest.

Und dennoch haben Unternehmen, Agenturen, Kreative und Freiberufler mit Briefings zu kämpfen, da sie manchmal wenig fundiert und allzu schnell entwickelt werden. Bei diesem sehr wichtigen Teil der Konzeption Fließbandarbeit zu betreiben, finde ich äußerst fatal. Denn wenn bei einem Briefing nicht auf alle Aspekte geachtet wird, leidet damit auch die Qualität des Endresultats – das Kommunikationskonzept – darunter.

 

Ein Briefing hat viele Vorteile – auch heutzutage

Das Briefing ist kein angestaubtes Papier oder ein Relikt aus guten alten Zeiten. Ja, die Erstellung und die damit verbundene Recherche kostet vor allem Zeit. Dafür erspart man sich später sehr viel Ärger. An manch anderer Ecke kann dafür gespart werden.

Diese Vorteile bietet das Briefing noch:

  • Ein gut strukturiertes Briefing sorgt dafür, dass Abteilungen übergreifend und miteinander arbeiten können.
  • Mit einem Briefing werden Ziele klar definiert. Die Erwartungen von Auftraggeber und Auftragnehmer sind damit dokumentiert und können jederzeit überprüft werden. Jeder weiß, in welche Richtung es geht.
  • Je detaillierter das Briefing ist umso leichter können Kreative Ideen entwickeln. Kreative Menschen “einfach mal machen lassen” kann zu guten Ideen führen, aber diese müssen nicht immer zum Konzept oder zum Auftraggeber passen.
  • Wie bereits gesagt, sind Briefings Anleitungen für die geplante Kommunikation. Denn das gewünschte Kommunikationsergebnis wird für alle Beteiligten ermittelt und später im Konzept festgehalten.

 

Give me the freedom of a tight brief. – David Ogilvy

 

Leseempfehlung:

 

Fehler, die Sie beim Briefing vermeiden sollten

Um enttäuschende Ergebnisse zu vermeiden, ist nicht nur die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer entscheidend. Wer in seinem Briefing Erwartungen festhält, vermeidet schlechte Ergebnisse, überflüssige Korrekturen und Zusatzkosten.

 

Fehler der Auftraggeber

Folgende Fehler können Auftraggeber vermeiden:

  • Man vergisst sich selbst zu briefen.
    Ihr Auftragnehmer kann nur bestimmte Tätigkeiten für Sie übernehmen und nur einen Teil Ihrer Fragen beantworten. Besser ist es, sich schon vor dem ersten Termin ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Welches Ziel und welche Zielgruppe soll überhaupt erreicht werden? Welche Probleme oder Bedürfnisse werden adressiert? Soll eine Teilbotschaft oder eine Kernbotschaft vermittelt werden? Welche Inhalte sind dafür notwendig? Und eine der wichtigsten Fragen: Wie hoch ist das Budget – gibt es einen Puffer, den Sie für den Notfall einplanen können?
  • Es stehen zu wenige Informationen zur Verfügung. Vermeiden Sie den Auftragnehmer nur oberflächlich zu briefen – ansonsten müssen Sie sich mit einem bescheidenen Ergebnis zufriedengeben. Wie bereits erwähnt funktioniert Kreativität am besten dann, wenn eine gute Basis – möglichst viele sinnvolle Fakten und Ziele – vorhanden ist. Vergessen Sie nicht: Das Fachwissen zu Branche und Unternehmen muss der Auftragnehmer immer erst aneignen. Sie verfügen bereits darüber. Also lassen Sie auch dieses Wissen in das Briefing miteinfließen.
  • Zu schnelle Briefings – entweder per E-Mail oder Telefon. Aus Zeitmangel per E-Mail oder Telefon zu briefen, ist bei komplexen Maßnahmen und Kampagnen keine gute Idee. Ein schriftliches Briefing ist jederzeit von allen Beteiligten abruf- und einsehbar. Jeder Schritt ist nachvollziehbar und dadurch gewinnen Sie an Planungssicherheit.
  • Versuch und Irrtum führen zu vielen Korrekturschleifen. Projekte ziehen sich auch gerne in die Länge, wenn sich Auftragnehmer und Auftraggeber beim Design oder bei der Inhaltserstellung nicht einig werden können. Der Haken liegt meistens bei den unendlich vielen Korrekturschleifen. Es kann einige Zeit vergehen, bevor alle Beteiligten mit dem finalen Ergebnis zufrieden sind. Stehen nur eine bestimmte Zahl von Schleifen zur Verfügung – und ist das Briefing auch detailliert genug in Sachen visueller Umsetzung – kommen sie auch mit zwei bis drei Korrekturschleifen aus.

Wer sich Zeit vor dem Briefing nimmt, hat eine bessere Ausgangslage. Gut informierte Auftragnehmer können wirksamer – und oft kostengünstiger – arbeiten. Um ein Briefing führt kein Weg vorbei. Es sei denn, Sie sind mit einem qualitativ fragwürdigen oder unpassenden Ergebnis zufrieden.

 

Fehler der Auftraggnehmer

Aber auch der Auftragnehmer kann Probleme vermeiden, in dem er nach den folgenden schwierigen Aspekten Ausschau hält:

  • Im Briefing fehlen die Verantwortlichkeiten oder diese sind unverständlich formuliert. Es fehlen Informationen oder es ist unklar, wer für welche Tätigkeiten verantwortlich ist? An dieser Stelle wäre es verkehrt als Auftragnehmer einfach loszulegen. Offene Fragen sollten vor Beginn der Umsetzung unbedingt geklärt werden. “Nur das umzusetzen, was schriftlich festgehalten wurde” ist unprofessionell. Ihr Auftraggeber wird es Ihnen Danken, wenn Sie mitdenken und Fragen stellen. So sparen beide Seiten Nerven und zusätzliche Ressourcen müssen nicht in Anspruch genommen werden.
  • Missverständnisse entstehen vor allem durch schlechte Kommunikation. Gute Kommunikation ist selbstverständlich? Leider stoßen Kommunikatoren und Marketer auch hier öfter an ihre Grenzen. Missverständnisse lassen sich nie ganz vermeiden. Sprechen Sie den Auftraggeber an, wenn Sie das Gefühl haben, dass sie aneinander vorbeireden. Ein Tipp, mit dem Sie vielen Missverständnissen aus dem Weg gehen können? Zuhören.
  • Hohe Erwartungen versus Ressourcen. Werden Aufgaben zwischen Tür und Angel vereinbart oder wird zu wenig Budget in die Hand genommen, muss man sich nicht wundern, wenn die Ergebnisse nicht wie gewünscht umgesetzt werden. Erkennt man zu hohe Erwartungen seitens des Auftraggebers schon zu Beginn, sollte man auf die begrenzten Möglichkeiten und Ergebnisse hinweisen. Die Erwartungshaltung ist dann hoffentlich eine andere.
  • Der Zeitplan ist unrealistisch. Jeder gute Projektmanager weiß, dass diverse Aufgaben immer mehr Zeit benötigen als geplant. Um dennoch gute Ergebnisse zu erzielen, werden zeitliche Puffer eingeplant. Diese werden im Briefing aber nur selten festgehalten – kommuniziert werden sie aber auch kaum. Dabei profitieren beide Seiten, wenn offen und ehrlich über Puffer gesprochen werden. Denn wird diese Zeit nicht kommuniziert, hat man sie nicht und kann so verloren gehen.
  • Das Budget ist zu eng bemessen. Der Auftraggeber nimmt wenig Budget in die Hand, erwartet aber Ergebnisse, die nur mit einem doppelten Budget möglich wären? Dann sollte man als Auftragnehmer darauf hinweisen und die Qualitätsunterschiede klar darstellen. So kann der Auftraggeber besser einschätzen, was für finanzielle Ressourcen tatsächlich gebraucht werden.

 

Leseempfehlung:

 

Schritt für Schritt zum klaren Briefing

Für das Briefing an sich gibt es keine allgemeingültigen Regeln. Über den Umfang kann man streiten – länger als ein kurzes Telefonat oder eine E-Mail sollte es aber schon sein. Das Briefing sollte wie ein Leitfaden formuliert sein. Es fungiert als Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Das Briefing dokumentiert die komplette Entstehung eines Projektes – so wissen beide Seiten, wo das Projekt anfängt und aufhört.

 

Status Quo – Wo steht das Unternehmen derzeit?

Eine Momentaufnahme hilft, Klarheit zu schaffen und bei der zukünftigen Zielsetzung. Fragen, die man sich in diesem Schritt stellen sollte:

  • Welche Kunden bedient das Unternehmen derzeit? Worauf legen Bestands- und Neukunden besonders Wert?
  • Wie sieht die Situation am Markt aus? Wie gut ist das Unternehmen positioniert? Wie stark sind die Konkurrenten?
  • Gibt es Kommunikationsprobleme innerhalb des Unternehmens, die angesprochen werden müssen?

An dieser Stelle könnte man auch unterschiedliche Sichtweisen und Ansichten zurate ziehen. Der Geschichtsführer hat eine andere Sicht auf die Dinge als ein Mitarbeiter oder eine Führungskraft.

 

Erwartungshaltung – Was soll mit dem Konzept erreicht werden?

Eine der wichtigsten Fragen überhaupt: Was soll mit dem Konzept erreicht werden? Und welche Erwartungen werden an das Konzept geknüpft? Dazu gehört auch die Adressierung und die Ziele des Konzeptes im Briefing aufzugreifen.

  • Welche Zielgruppe soll erreicht werden?
  • Geht es um Bestandskunden oder sollen neue Kunden dazugewonnen werden?
  • Zählen auch die eigenen Mitarbeiter zu dieser Zielgruppe? Auf welche Art und Weise sollen sie berücksichtigt werden?
  • Ist eine besondere Infrastruktur nötig, um das Konzept umzusetzen? Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?
  • Gibt es weitere Besonderheiten, auf die geachtet werden müssen?

Eine andere wichtige Frage, die in Verbindung mit der Erwartungshaltung geklärt werden muss: Wie detailliert soll das Konzept am Ende sein? Wird eine ausführliche Konkurrenzanalyse benötigt? Müssen vorgeschlagene Kommunikationskanäle beschrieben werden? Gibt es eine Deadline für die Abgabe des Konzepts?

 

Inhalt – Das muss in einem Briefing drin stehen

  • Zunächst muss die Ausgangslage beschrieben werden. Wozu benötigt das Unternehmen ein Konzept?
  • Welche Aufgaben, Ziele und Erwartungen muss das Konzept erfüllen?
  • Welche Dokumente und Informationen werden dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt?
  • Gibt es noch Details, die nicht als Materialien vorliegen? Gibt es neue Pläne der Geschäftsführung? Oder Meinungsunterschiede zwischen den beteiligten Abteilungen?
  • Gibt es Ansprechpartner, die für Fragen kontaktiert werden können?
  • Bis wann ist das fertige Konzept abzugeben? Gibt es eine bestimmte Deadline?
  • Soll das Konzept auf eine bestimmte Art und Weise präsentiert werden? Oder soll es dem Auftraggeber nur zugeschickt werden?
  • Wer wird bei der Präsentation anwesend sein?

Meiner Meinung nach sind das die wichtigsten Bestandteile eines Briefings. Aber es können noch viele weitere Details verlangt werden. Jeder Auftraggeber brieft allerdings auf seine eigene Art und Weise. Es liegt am Auftragnehmer weitere Informationen einzuholen, wenn er diese zur Entwicklung eines Konzeptes braucht.

 

Infografik: Schritt für Schritt zum klaren Briefing

Schritt für Schritt zum klaren Briefing.

Leseempfehlung:

 

Briefing für Agenturen: Die eigene Vision wird die Vision von allen

Wenn es möglich wäre, würde man mit der Zusammenarbeit am liebsten sofort starten. Doch oft fehlt der Agentur, die Vision, die dem Auftraggeber im Kopf herum geistert. Die eigene Vision niederzuschreiben und sie mit anderen Leuten zu teilen, ist keine leichte Aufgabe. Doch ein aussagekräftiges Briefing kann Agenturen zu Höchstleistungen beflügeln.

Die folgenden Aspekte sollten Auftraggeber in einem Agentur-Briefing nicht vergessen:

  • Neben der Frage, welches Problem – kommunikativ – gelöst werden soll und wer das Problem hat, sollte erklärt werden, warum dieses Problem existiert. Oder gibt es vielleicht noch weitere Aspekte, die das Lösen des Problems verhindern?
  • Welche Dienstleistungen, Produkte oder Services können das beschriebene Problem lösen? Der Fokus sollte dabei auf so wenigen Lösungen liegen wie möglich. Das macht die Umsetzung des Konzeptes einfacher.
  • Entscheidend sind nicht nur Kern- oder Teilbotschaften. Wie diese kommuniziert werden spielt auch eine wichtige Rolle: Welche Kommunikationskanäle werden verwendet? Werden die unterschiedlichen Kanäle miteinander kombiniert?
  • Menschen treffen Entscheidungen nicht immer mit dem Kopf. Gute Entscheidungen werden auch mal gerne mit dem Bauchgefühl getroffen. Welche Emotionen soll die Lösung des Problems bei der Zielgruppe auslösen? Welche Gefühle sollen mit der Dienstleistung, dem Produkt oder der Marke verbunden werden?
  • Fragen Sie auch die Agentur nach einer Einschätzung. So können große Fehler verhindert werden. Eine gute Agentur weist den Kunden professionell darauf hin, was möglich ist, ob Ideen zu außergewöhnlich sind oder nicht unbedingt zur Kommunikationsaufgabe passen.

 

Infografik: Briefing für Agenturen

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Briefing für Freiberufler: Die Qualität entscheidet über das Endprodukt

Man arbeitet nicht immer mit Agenturen zusammen. Bei dem einen oder anderen Auftrag braucht es auch schon mal einen Spezialisten. Dieser muss natürlich anders gebrieft werden als eine Agentur.

Darauf sollten Auftraggeber achten:

  • Die anstehende Arbeit in einen Kontext setzen: Der Freiberufler benötigt Hintergrundinformationen und die Geschichte des Unternehmens. So kann er die eigene Arbeit in den passenden Kontext setzen.
  • Die eigene Erwartungshaltung kommunizieren: Was beinhaltet das Projekt? Was soll der Freiberufler liefern?
  • Wie sieht der ideale Kunde aus? Der Freiberufler kann Sie nicht unterstützen, wenn er nicht weiß, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Beschreiben Sie ihm klar, um wen es sich handelt.
  • Die Liebe steckt im Detail. Sie sollten den Freiberufler auch weitere Links zu relevanten Informationen zuschicken, über Marktbedingungen und Vorschriften informieren, die spezifisch für die Branche sind, über das Corporate Design in Kenntnis setzen, wenn es um grafische Projekte geht.
  • Das i-Tüpfelchen eines jeden Briefings: Ein Freiberufler schafft dann ganz besondere Inhalte oder Umsetzung eines Projektes, wenn er Ihr “Warum” kennt, Ihre Leidenschaft für Unternehmen, Marke oder Dienstleistung spürt und Sie den Erfolg Ihres Produktes oder Ihrer Marke – bspw. mit Testimonials – beweisen können.

 

Infografik: Briefing für Freiberufler

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Wie Freelancer (und Agenturen) an gute Briefings kommen

Ein Kommentar von Christian Müller

Ein gutes Briefing ist Aufgabe des Kunden – oder? Vor einigen Jahren hätte ich die Frage mit einem klaren “ja” beantwortet, heute mit einem klaren “nein, nicht nur”. Die Veränderung kommt zum einen durch meine eigene Erfahrung mit Kunden und Briefings und zum anderen durch ein Buch zustande: Extrem Ownership.

Passend zum militärischen Ursprung des Wortes “Briefing” geht es im Buch um Führungserfahrungen und Anekdoten von Navy SEALS, die diese heute als Berater in der Wirtschaft anwenden. Wer mit Militär nichts anfangen kann, muss das Buch nicht lesen – auch wenn ich es klar empfehlen kann – um Nutzen für gute Briefings daraus zu ziehen.

Der wichtigste Aspekt ist meiner Meinung nach das Konzept des “leading up the chain of command”. Im Deutschen also das Führen der Vorgesetzten oder – im Bezug auf das Briefing – das Führen des Kunden.

Der Ansatz in Kurzform und übertragen auf das Thema Briefing:

 

Wenn Kunden schlechte Briefings verfassen, liegt die Verantwortung dafür beim Freelancer oder der Agentur. Punkt.

 

Ja, das muss erstmal sacken. Bevor sich jemand aufregt, hier die Begründung: Kunden kennen Ihre Probleme, doch Sie können sie in der Regel nur in Ihren Worten und im Rahmen Ihrer Arbeit und Kompetenz beschreiben.

Das geht Freelancern und Agenturen nicht anders. Doch die Erfahrungshorizonte und Arbeitsfelder von Freelancer, Agentur und Kunde sind oft sehr unterschiedlich. Also kann der Kunde das Briefing gar nicht gut gestalten, wenn Freelancer oder Agentur ihm nicht mit passenden Vorabinformationen – in der Sprache des Kunden, nicht des Freelancers oder der Agentur – und einem Briefing fürs Briefing unterstützen.

 

Ein Briefing für das Briefing?!?

Ein Briefing fürs Briefing klingt ziemlich meta, bedeutet in der Praxis für mich jedoch lediglich, drei Fragen zu beantworten:

  1. Welche Informationen und Hinweise brauchen wir vom Kunden?
  2. Wie formulieren wir unseren Bedarf so, dass er beim Kunden richtig ankommt?
  3. Wie können wir den Kunden bei der Formulierung des Briefings optimal unterstützen?

Die Antworten auf diese Fragen entscheiden darüber, was im Briefing für das Briefing steht und in welcher Form diese Briefing-Vorbereitung erfolgt.

Inzwischen setzte ich selbst das Briefing fürs Briefing bei all meinen Projekten ein. Als ich es das letzte Mal weggelassen habe, ging das Projekt prompt schief.

Zum Briefing-Briefing – ich nenne das jetzt einfach mal so – höre ich von Kollegen und Kolleginnen immer wieder die gleichen Fragen. Daher beantworte ich sie hier prophylaktisch:

  • Lohnt sich ein Briefing-Briefing bei jedem Kunden? – Das kommt darauf, wie Ihre Projekte gestrickt sind und wie Sie mit Ihren Kunden arbeiten. Für mich und meine Arbeit: ja.
  • Ist eine solche Briefing-Vorbereitung sehr aufwändig? – Ja, ist sie. Der Aufwand reduziert sich natürlich, wenn Sie bereits Erfahrung mit der Branche Ihres Kunden – oder mit dem Kunden aus anderen Projekten – haben.
  • Wird das Briefing-Briefing bezahlt? – Sicherlicher eine Frage des Herangehens. In meinem Fall: nein. Die Kosten gehören für mich zur Vorleistung und/oder zum Projektpreis.
  • Wissen Kunden die intensive Briefing-Vorbereitung zu schätzen? – Meistens ja. Was mich oft irritiert: Viele Kunden sind positiv überrascht von der Unterstützung bei der Briefing-Erstellung – zur Erinnerung: einen Vertrag gibt es meist noch nicht – und kennen das gar nicht. Ich hatte gedacht, das wäre üblich.
  • Wirkt sich das Briefing-Briefing positiv auf die Zusammenarbeit aus? – Ja, tut es. Wie bereits erwähnt ging das Projekt, bei dem ich darauf verzichtet habe, schief. Und um die implizite Frage zu beantworten: Kunden sind meist zufriedener, bleiben länger und erhalten bessere Ergebnisse während ich und mein Team entspannter und effizienter arbeiten können.

Wie sieht es bei Ihnen aus, geben Sie dem Briefing-Briefing eine Chance?

 

Vertiefungsgspräch, Rebriefing, Debriefing: Ein Briefing reicht nicht mehr aus?

Da unsere Kommunikation immer vielschichtiger wird, reicht ein einzelnes Briefing oft nicht aus, um ein komplexes Kommunikationskonzept auf die Beine zu stellen. Was können Kunden, Agenturen und Freiberufler also tun, um der Lage Herr zu werden? Sich treffen und miteinander reden. Und das in einem Vertiefungsgespräch, in einem Rebriefing und in einem Debriefing.

Ja, Meetings kosten Zeit und viele von ihnen sind Zeitfresser statt Problemlöser. Aber wenn die Termine richtig geführt werden, sparen alle Beteiligten Nerven und Kosten, die durch ein schlechtes Konzept anfallen können.

 

Was ist ein Vertiefungsgespräch?

Wenn Kommunikationsaufgaben besonders komplex sind, ist es wichtig neben einem schriftlichen Briefing auch ein Briefinggespräch abzuhalten. Agenturen und Freiberufler sollte vorab eine Liste mit Fragen vorbereiten, die sich bei der Auseinandersetzung mit dem Briefing-Material ergeben haben. Bekommt der Kunde diese vor dem Termin, kann er sich entsprechend vorbereiten. Umso ehrlicher und offener der Auftraggeber die Fragen beantwortet umso besser. Nebeneffekt: Durch die transparente Kommunikation zwischen den Beteiligten lässt sich auch leichter Vertrauen auf- oder ausbauen. Ein Protokoll fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und wird allen zur Verfügung gestellt.

 

In welcher Situation braucht es ein Rebriefing?

Es kann schnell passieren, dass sich eine Agentur oder ein Freiberufler in den Details und Informationen des Briefings verliert. Ein guter Zeitpunkt, um ein Rebriefing zu vereinbaren.

Am besten vereinbart man einen Termin, wenn die Agentur oder der Freelancer in der strategischen und analytischen Phase stecken und sie vielleicht schon ihre Marschroute für das Konzept ermittelt haben. Der Kunde wird im Rebriefing über den Status des Konzepts informiert. Gegebenenfalls werden erste Ideen grob vorgestellt und ergänze Fragen gestellt. Mit den Ergebnissen kann die Kommunikationsaufgabe angepasst und optimiert werden.

 

Jeder guter Schluss braucht ein Debriefing?

Das Debriefing steht ganz am Ende und dient gleichzeitig als Abschluss eines umgesetzten Kommunikationskonzeptes. Der Auftraggeber gibt hier der Agentur oder dem Freiberufler Feedback: Wo hat das Konzept funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Für Agenturen und Freiberufler sind Debriefings hilfreich, um an den eigenen Fähigkeiten, aber auch an den eigenen Organisationsstrukturen zu arbeiten. Aus konstruktiver Kritik lernt man am besten.

Debriefings werden leider nicht so häufig durchgeführt. Auftragnehmer und Auftraggeber führen gemeinsam ein Projekt durch, dann wartet schon der nächste Sparringspartner oder die nächste Agentur mit einem Projekt, das umgesetzt werden will. Der Wert einer konstruktiven Feedbackrunde liegt eigentlich klar auf der Hand und sollte öfter genutzt werden – von allen Beteiligten. 😉

 

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Photo by Simon Migaj on Unsplash