Meine Contentplanung: Routinen, bewusstes Chaos und Dinge, die auf den ersten Blick nichts damit zu tun haben. Was kannst du dir davon abschauen?

Oft sitze ich mit einem Kaffee da, starre auf meinen Trello-Plan und denke trotzdem nicht als Erstes an „Content“.

Ich denke an einen Satz aus dem Buch, das ich gerade lese.
An eine Szene aus einem Spiel.
Oder an einen Kommentar unter einem LinkedIn-Post, der mir im Gedächtnis geblieben ist, weil er eine Frage stellt, die niemand wirklich beantwortet hat.

Und irgendwo zwischen diesen scheinbar zusammenhanglosen Dingen passiert bei mir die Planung.

Natürlich habe ich eine Struktur. Ohne Struktur würde mein Content nicht zuverlässig entstehen, denn mein Alltag ist zu voll und mein Kopf zu schnell.

Aber ich habe gelernt, dass mein Redaktionsplan nur die sichtbare Oberfläche ist. Darunter liegt das, was ich früher als „Ablenkung“ bezeichnet habe: Dazu gehören Notizen auf Post-its, halbvolle Notizbücher, gespeicherte Artikel, Podcast-Schnipsel, oder Offtopic-Interessen, die mich eigentlich nur entspannen sollen, aber dann doch wieder Wörter, Bilder oder Perspektiven liefern, die später zu Content werden.

Ich plane also nicht nur am Schreibtisch.
Ich plane beim Lesen.
Beim Sammeln.
Beim Beobachten. 

Und manchmal auch beim Weglassen, denn erst dann beginnt mein Gehirn, Dinge sinnvoll zu verbinden.

Das mag unordentlich klingen, ist für mich aber genau der Punkt: Content entsteht nicht, weil ich perfekt organisiert bin, sondern weil ich mir ein System gebaut habe, in dem sowohl Struktur als auch Spielraum Platz finden.

In diesem Beitrag teile ich meine Routinen rund um meine Contentplanung mit dir. Einerseits die klassischen, erwartbaren Abläufe, die mich zuverlässig ins Tun bringen.  Andererseits eher unübliche Routinen, die dafür sorgen, dass meine Themen nicht austauschbar werden. Am Ende bekommst du eine Checkliste, mit der du deine eigenen „Offtopic-Routinen“ besser einordnen kannst.

Übliche Routinen rund um meine Contentplanung

Das sind die Routinen, die nach außen hin am ehesten wie „Contentplanung“ aussehen. Es sind Dinge, die man erklären kann, weil sie ein klares Ergebnis haben: ein Plan, ein Entwurf oder ein fertiger Beitrag. Ich mag diese Routinen, weil sie mir Halt geben.

Nicht im Sinne von „alles kontrollieren“, sondern im Sinne von „Ich muss nicht jeden Tag neu anfangen”.

Grafische Übersicht mit Ordnern rund um den Titel „Übliche Routinen“, die typische Schritte der Contentplanung wie Recherche, Themen und Redaktionsplan zeigt.

1) Mein zentraler Redaktionsplan in Trello

Ich brauche einen Ort, der als „Wahrheit“ gilt. Nicht fünf Listen, nicht zehn Notizorte, nicht „das steht irgendwo im Kopf“. Trello ist diese Zentrale für mich.

Was mir daran wichtig ist: Ich plane nicht nur Inhalte, sondern auch Zusammenhänge. Deshalb liegen in Trello nicht einfach 30 lose Themenkarten, sondern Schwerpunkte, Unterthemen, Formate und eine grobe zeitliche Logik. Ich arbeite gern mit einem Monatsfokus, da dies verhindert, dass mein Content wie ein Bauchladen wirkt.

Zudem ist Trello für mich nicht nur ein Kalender, sondern auch ein Status-System. Ich sehe auf einen Blick, welche Inhalte sich noch in der Ideenfindung befinden, welche bereits recherchiert wurden, welche aktuell bearbeitet   werden und welche bereits veröffentlicht sind. Dieses Sichtbarmachen nimmt mir mental Last ab. Denn ich muss mich nicht erinnern, ich kann einfach nachsehen.

2) Themensammlung und Recherche als laufender Prozess

Bevor ein Thema „planbar“ wird, darf es erst einmal existieren. Ich sammle bewusst Ideen, Fragmente, Links und Beispiele, ohne sofort zu entscheiden, ob daraus ein Beitrag entsteht.

Der entscheidende Punkt ist: Ich sammle nicht nur Ideen, sondern auch den Kontext. Also:

  • Warum ist das Thema relevant?
  • Für wen?
  • Welche Fragen hängen damit zusammen?
  • Woher kenne ich das Problem?

Wenn ich später plane, habe ich nicht nur eine Überschrift, sondern direkt auch Material dazu. Das ist Gold wert, denn es beschleunigt das Schreiben und verbessert die Qualität. Ich muss dann nicht bei null anfangen, sondern kann auf etwas zurückgreifen, das schon „vorverdaut“ ist.

3) Schwerpunktthemen statt Content nach Tagesform

Ich habe aufgehört, Inhalte so zu planen, als wäre jede Woche ein neues Mini-Projekt. Stattdessen arbeite ich mit Schwerpunktthemen, die ich über einen Zeitraum von ein paar Wochen oder einem Monat hinweg behandle.

Das hat mehrere Vorteile:

  • Ich vertiefe Themen wirklich, statt sie nur anzureißen.
  • Ich verzahne Inhalte miteinander (Blog → Social Media → Newsletter → ggf. Angebot).
  • Ich setze Wiederholungen bewusst ein, statt Angst zu haben, „zu oft über das Gleiche“ zu sprechen.

Das ist für viele ein Gamechanger: Wiederholungen fühlen sich schnell langweilig an, aber für die Zielgruppe schaffen sie oft genau das Vertrauen, das nötig ist. Zudem erleichtert es die Planung, da nicht ständig neue Themen erfunden werden müssen.

4) Content Days: Produktion bündeln statt ständig „nebenbei“

Ich arbeite lieber in Blöcken als in Häppchen. Deshalb plane ich feste Content-Days ein – Tage, an denen ich mich voll und ganz auf die Erstellung konzentriere.

An diesen Tagen entstehen Entwürfe, Gliederungen, Visuals und Social-Media-Post-Bausteine. Das liegt nicht daran, dass ich besonders diszipliniert bin, sondern daran, dass mein Gehirn dann endlich nicht ständig umschalten muss.

Batching ist für mich kein „Produktivitätshack“, sondern ein Schutz vor Dauerstress. Wenn ich weiß, dass ich zwei feste Tage im Monat habe, an denen Content entsteht, muss ich nicht jeden Tag ein schlechtes Gewissen haben, weil ich „noch nichts gepostet“ habe.

5) Von Blog zu Social: Aus einem Inhalt werden viele Bausteine

Ich plane Inhalte nie losgelöst von den Kanälen. Der Blog ist oft mein Ausgangspunkt, da ich dort Tiefe aufbauen kann. Daraus leite ich Social-Content-Bausteine ab – aber nicht als stumpfes „Teaser posten“, sondern als eigenständige Inhalte.

Ich frage mich:

  • Was ist die Kernaussage?
  • Welche Beispiele kann ich isolieren?
  • Welche Mini-Lernmomente kann jemand mitnehmen, ohne den Blog zu lesen?

Das ist eine Routine, die unglaublich viel Zeit spart, weil ich nicht jedes Mal bei null anfange. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass mein Content konsistent wirkt, ohne dass ich mich wiederhole.

6) Review und Anpassung: Planung als lebendiger Prozess

Ich plane nicht zwölf Monate und ziehe dann stur durch. Ich plane grob voraus und konkretisiere dann schrittweise. In regelmäßigen Rückblicken schaue ich:

  • Was hat funktioniert?
  • Was wurde ignoriert?
  • Wo habe ich mich selbst überschätzt?
  • Wo war ein Thema überraschend stark?

Diese Routine ist für mich der Unterschied zwischen einem „Plan als Idealbild“ und einem „Plan als Werkzeug“. Denn Planung ist nur dann hilfreich, wenn sie mit der Realität verhandelt wird. Andernfalls wird sie schnell zur Selbstkritik in Tabellenform.

Unübliche Routinen, die trotzdem viel mit Contentplanung zu tun haben

Das sind Routinen, die auf den ersten Blick nichts mit Content zu tun haben. Genau deshalb habe ich sie lange nicht ernst genommen – oder sie sogar runtergespielt („Ich lenke mich ab“).

Heute sehe ich das anders. Nicht, weil alles automatisch produktiv ist. Sondern weil ich verstanden habe, dass Contentplanung nicht nur Organisation ist, sondern auch Denken, Beobachten und Verknüpfen. Und dafür brauche ich genau diese Umwege.

Grafische Übersicht mit Ordnern rund um den Titel „Unübliche Routinen“, die informelle Inspirationsquellen für Contentplanung darstellen.

1) Notizen überall: Post-its, Notizbücher, Handy

Ich schreibe ständig etwas auf. Nicht, weil ich alles festhalten „muss“, sondern weil ich meine Gedanken sonst verliere. Manchmal ist es nur ein Satz. Manchmal ist es eine Frage. Manchmal bleibt mir auch nur ein Wort im Gedächtnis.

Für die Contentplanung bringt mir das zwei Vorteile:

  • Zum einen bekomme ich Zugang zu meinem eigenen Denken, also zu den Dingen, die mich wirklich beschäftigen.
  • Zum anderen sammle ich Rohmaterial für Sprache: Überschriften, Formulierungen, Beispiele.

Das Entscheidende ist: Die Notizen müssen nicht sofort in den Plan aufgenommen werden. Sie dürfen erst einmal nur existieren. Oft entsteht Content bei mir aus dem zweiten oder dritten Blick auf eine Notiz – nicht aus dem ersten heraus.

2) Viel lesen – nicht nur die „großen Medien“, sondern auch Kolleg*innen

Ich lese Newsletter, Blogbeiträge, LinkedIn-Posts und Kommentare. Und das nicht nur, weil ich „informiert“ sein will. Sondern auch, weil ich so erkenne, welche Themen aktuell wirklich relevant sind.

Ich beobachte:

  • Welche Fragen werden ständig gestellt?
  • Welche Missverständnisse tauchen immer wieder auf?
  • Wo widersprechen sich die Menschen?
  • Wo fehlt eine klare Einordnung?

Das ist pures Futter für Inhalte – nicht mit der Einstellung „Das mache ich auch“, sondern mit der Einstellung „Hier fehlt noch etwas, das ich beitragen kann“. Häufig sind Kommentare sogar  wertvoller als der eigentliche Beitrag.

3) Offtopic-Interessen: Science-Fiction, Fantasy, Fandoms, Games

Wenn ich Science-Fiction lese oder in Game-News abtauche, dann nicht, um Content zu planen. Und trotzdem passiert etwas, das für meine Inhalte extrem wichtig ist: Ich trainiere mein Denken in Geschichten, Systemen und Konflikten.

Gerade Fantasy und Science-Fiction sind oft „Was-wäre-wenn“-Maschinen. Sie helfen mir, Perspektiven zu wechseln, Muster zu erkennen und Dinge größer zu denken. All das fließt später in meine Arbeit ein: in Metaphern, in die Struktur und in die Art, wie ich Themen aufbaue.

Und manchmal ist es auch einfach ein Gegenpol: Wenn ich nur in Business-Kategorien denke, wird mein Content schnell eng. Offtopic erweitert ihn.

4) Podcasts: Zuhören, ohne sofort selbst zu produzieren

Podcasts sind für mich ein Denkraum. Ich höre ihnen zu, während ich laufe, aufräume oder einfach nur sitze. Dabei merke ich: Wenn mein Kopf nicht „leisten“ muss, sortiert er oft besser.

Ich nehme aus Podcasts selten konkrete Inhalte mit, sondern eher:

  • Formulierungen, die hängen bleiben,
  • neue Blickwinkel oder
  • Gegenpositionen.

Das sind die Dinge, aus denen später gute Beiträge entstehen, weil sie nicht nur Informationen sind, sondern auch eine Einordnung bieten.

5) Kaffeepausen als Mini-Retreats

Das klingt vielleicht kitschig, ist aber wahr: Bei mir sind Kaffeepausen oft der Moment, in dem Dinge zusammenfallen. Ich sitze da, schaue aus dem Fenster und lasse meine Gedanken schweifen – und plötzlich habe ich eine Idee für eine Überschrift oder den roten Faden.

Für viele sieht das nach „Pause“ aus – und das ist es auch. In meinem System ist das jedoch eine wichtige Phase der Verarbeitung.

Wenn ich keine Pausen mache, produziere ich zwar mehr, aber die Ergebnisse sind schlechter. Außerdem verliere ich die Verbindung zu dem, was ich eigentlich sagen will.

6) Liebe für Notizbücher und Schreibzeug (ja, wirklich!)

Ich weiß, das wirkt wie ein Nebendetail. Aber für mich sind gute Schreibutensilien ein Einstiegssignal. Wenn ich ein schönes Notizbuch aufschlage, passiert etwas anderes, als wenn ich nur auf einen Bildschirm starre.

Analoges Schreiben verlangsamt mich. Und das ist ein Vorteil. Gerade am Anfang eines Themas, wenn ich noch nicht „formulieren“, sondern verstehen will.

Viele meiner besten Strukturen entstehen nicht in einem Tool, sondern auf Papier. Erst danach wird es digital.

Fazit: Meine Contentplanung besteht aus zwei Ebenen

Auf der sichtbaren Ebene steht die Struktur im Mittelpunkt: Redaktionsplan, Schwerpunkte, Content Days, Workflows. Das sorgt dafür, dass Inhalte zuverlässig entstehen.

Die unsichtbare Ebene ist der Nährstoff: Lesen, Notizen, Offtopic, Pausen. Sie sorgt dafür, dass mein Content Substanz bekommt und nicht austauschbar wird.

Wenn ich nur die erste Ebene betrachte, wird mein Content effizient, aber flach.
Wenn ich nur die zweite Ebene betrachte, wird er zwar spannend, aber erscheint nicht.

Die Kombination aus Struktur, die trägt, und Spielraum, der lebendig hält, ist das, was für mich funktioniert.

Checkliste: Welche Offtopic-Routinen zahlen bei dir wirklich auf Contentplanung ein?

Nutze die folgenden Fragen wie einen kleinen Selbst-Check. Wenn du bei einer Routine mehrfach „Ja“ ankreuzt, ist sie sehr wahrscheinlich kein Ablenkungsding, sondern ein echter Teil deines Content-Systems.

1) Ideen- und Themen-Futter

  • Ich bekomme dadurch regelmäßig neue Themenideen oder Blickwinkel.
  • Ich stoße dabei auf wiederkehrende Fragen, Trends oder Diskussionen.
  • Ich sammle dabei konkrete Beispiele, Stories oder Formulierungen.

2) Klarheit und Sortieren

  • Danach kann ich Themen besser priorisieren oder Entscheidungen treffen.
  • Ich finde leichter einen roten Faden oder eine Struktur.
  • Ich erkenne schneller, was „eigentlich gemeint“ ist (bei mir oder anderen).

3) Sprache, Stil und Kreativität

  • Ich finde dadurch bessere Metaphern, Bilder oder Erklärungen.
  • Es erweitert meinen Wortschatz oder meinen Schreibfluss.
  • Ich komme dadurch leichter in einen „kreativen Modus“.

4) Energie und Umsetzung

  • Es gibt mir spürbar Energie oder Ruhe zurück (statt mich auszulaugen).
  • Danach fällt mir Starten/Dranbleiben leichter.
  • Es hilft mir, weniger zu prokrastinieren (weil mein Kopf „entknotet“ ist).

5) Zielgruppe und Relevanz

  • Es bringt mich näher an echte Menschen (Gespräche, Kommentare, Communities).
  • Ich verstehe dadurch besser, was meine Zielgruppe beschäftigt oder triggert.
  • Ich bekomme Formulierungen, Einwände oder Beispiele aus dem echten Leben.

6) Wiederholbarkeit und Ritual

  • Diese Routine passiert regelmäßig (nicht nur „wenn Zeit ist“).
  • Ich könnte sie bewusst als Teil meiner Planung einbauen (z. B. wöchentlich).
  • Ich weiß grob, was ich daraus mitnehme (Notizen, Links, Stichpunkte, Ideenliste).

Mini-Auswertung:

  • 0–3 Häkchen: Eher Ablenkung oder noch nicht bewusst genutzt.
  • 4–7 Häkchen: Potenziell – mit kleiner Struktur wird’s ein Content-Booster!
  • 8+ Häkchen: Das ist eine echte Content-Routine (auch wenn sie off-topic aussieht)!