#Quereinstiegsparade: Wer sagt, das Berufsleben verliefe immer schnurgerade?

Mit der #Quereinstiegsparade bietet Edda Klepp allen Quereinsteigern die Möglichkeit, über ihren beruflichen Werdegang zu sprechen und anderen Menschen Tipps zu geben. Dieses Mal berichte ich von meinen eigenen beruflichen Erfahrungen.

“Der” Quereinstieg oder nur ein weiterer Weg zu einem Neuanfang?

Wer ein paar Beiträge der Blogparade liest weiß, dass jeder Lebenslauf sich anders entwickelt hat. Natürlich gibt es auch die geradlinigen Berufsleben – die auch von der Gesellschaft weitaus lieber gesehen sind als ungerade Verläufe. Von den individuellen, von Ups und Downs geprägten Lebensläufe ist aber immer häufiger zu lesen. Und das ist auch gut so.

Während meines Studiums habe ich nämlich genau nach diesen Geschichten Ausschau gehalten. Denn sind wir mal ehrlich: Ein Magister Artium in Sinologie, Religionswissenschaft und Tibetologie ist außergewöhnlich bzw. war es früher einmal. Diese Lebensläufe haben mir Mut gegeben und gezeigt, dass es viele unterschiedliche Wege zum Ziel gibt. Aber eben auch, dass man in bestimmten Situationen einen Neuanfang wagen kann.

 

Wie mein Studium und der Zufall mich zum Quereinsteiger machten

Ich gehöre zu den Geisteswissenschaftlern, die sich ihre Fächer aufgrund von Interesse und Leidenschaft zum Thema ausgesucht haben. Natürlich wusste ich, dass ich es nur mit diesem Studium nicht weit bringen würde. Also kamen weitere Qualifikationen, die eine oder andere Werkstudententätigkeit und mehrere Auslandsaufenthalte dazu.

In das oft gefürchtete “Loch” bin ich nach dem Studium trotzdem gefallen. Das Grübeln sollte aber nicht lange anhalten, denn durch Vitamin B bot sich mir die Gelegenheit, in einer Online-Marketing-Agentur anzufangen – ehemalige Studienkolleginnen waren dort auch angekommen. Mein erster Job dauerte nur wenige Monate. Erfahrungen konnte ich viele sammeln und das nächste Stellenangebot ließ auch nicht lange auf sich warten.

Und doch würde ich Berufsanfänger raten, nicht überstürzt irgendeine Stelle anzunehmen, nur um nicht nach dem Studium gleich “arbeitssuchend” zu sein. Man sollte Interessen und Leidenschaften auch weiterhin verfolgen, das eine oder andere Praktikum absolvieren und sich wirklich sicher sein, dass man sich für den persönlich passenden Einstieg entscheidet – egal, wie lange man braucht, um diesen Einstieg zu finden.

 

 

Meine ersten Berufsjahre – Eine berufliche Achterbahn, ganz ohne roten Faden

Eva Maria Goldmann hat es in ihrem Interview schon gesagt, der rote Faden ist für Personaler gedacht und erleichtert Ihnen das Lesen der Lebensläufe. Und doch habe ich mir zu Beginn meiner Karriere ständig darüber Gedanken gemacht, wie ich die eine oder andere Entscheidung im Laufe der Zeit dem Personaler erklären kann. Mittlerweile habe ich aufgehört, mich für diverse Entscheidungen zu rechtfertigen. Sie liegen in der Vergangenheit. Sollten sich Personaler nicht vielmehr dafür interessieren, wer gerade vor ihnen sitzt und sich mit den Stärken der Person – im Hier und Jetzt – auseinandersetzen?

Meinen beruflichen Lebenslauf kann man als Achterbahn betrachten. Jede Kurve, jede Steigung und jeden Looping habe ich gemeistert und in vielen Situationen, die für mich passende Entscheidung zur Neu- oder Umorientierung getroffen.

Was ich aus meiner Zeit in den unterschiedlichen Agenturen mitgenommen habe? Man kann mit einer steilen Lernkurve rechnen. Kein Tag ist wie der andere und man lernt ständig dazu. Für alle, die Abwechslung schätzen, ist eine Agentur genau der richtige Ort. Für Menschen, die Strukturen und Regelmäßigkeit schätzen, ist das Modell eine Herausforderung – aber mit ein wenig mehr Organisation auch machbar. Bei allem, was man tut, darf man nie den Dienstleistungsgedanken vergessen. “Der Kunde ist König” ist – leider – keine hohle Phrase. Er hat tatsächlich das Krönchen auf und bestimmt den Großteil der Zeit, wo es langgeht. Es sei denn, er lässt sich beraten. 😉

 

 

Wie mich der Freiberuf fand und ich mich selbst dadurch gefunden habe

Und dann kam das zweite große “Loch”. Es ist gut für seinen Job zu brennen. Sich aber auszubrennen oder zu verbrennen, kann nicht der richtige Karriereweg sein. In diesem Abschnitt meines Lebens bin ich übers Ziel hinausgeschossen und habe versucht, viele Dinge mit noch mehr Arbeit besser zu machen. Wie erwartet hat das nicht funktioniert und so entschied ich mich für eine Auszeit, um zu überlegen, wie es weitergehen soll.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich zu dieser Zeit meinen zukünftigen Ehemann kennengelernt habe. Denn er war genau die Stütze, die ich in der damaligen Situation gebraucht habe. Auch wenn ich mich während dieser Zeit immer wieder bei Unternehmen und Agenturen bewarb, wuchs der Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Schon während meiner ersten Berufsjahre begann ich – auch mehr durch Glück als Absicht – mit dem Schreiben und Social-Media-Aktivitäten auf Twitter. Hier knüpfte ich an und baute meinen ersten eigenen Blog auf. Neben dem Verfassen von Beiträgen für meinen Blog steckte ich zusätzliche Zeit in eine Weiterbildung, um mein Wissen aufzubessern. Mit dem Umzug nach NRW stand für mich die Entscheidung, mich selbstständig zu machen, fest.

Die letzten 1 ½ Jahre waren alles andere als langweilig. Mit den üblichen Hochs und Tiefs habe ich immer wieder zu tun. Doch die Abwechslung und die Möglichkeit, das zu tun, was ich gerne tue, erfüllt mich momentan am meisten.

Wer mit dem Freiberuf liebäugelt, aber die Sicherheit einer Anstellung nicht völlig aufgeben möchte, sollte sich vielleicht als Sidepreneur versuchen. Hierfür entwickelt man auch eine Geschäftsidee, aber eben nur in seiner freien Zeit. Der Zusatzverdienst kann genutzt werden, um seine Idee auszubauen oder sich zusätzlich zu finanzieren. Wer zu dem Punkt kommt, an dem man mit seiner Nebentätigkeit mehr Geld verdient als in seiner Anstellung, kann den nächste Schritt Richtung Freiberuf wagen – oder eben nicht. Mehr Informationen, interessante Interviews und vieles mehr zu dem Thema “Nebenberuf / Sidepreneur” kann man auf https://sidepreneur.de/ nachlesen. 😉

Dieses Modell gelingt übrigens auch, wenn du schon eine Weile als Freiberufler unterwegs bist. Ich habe beispielsweise seit kurzem eine Teilzeitanstellung bei einer hervorragenden Agentur gefunden, bei der sich mein Freiberuf und mein Job wunderbar ergänzen.

 

 

Vollgas im Job und Freiberuf und was sonst noch Spaß macht

Als Freiberufler und/oder Sidepreneur darf man nicht stillstehen. In der digitalen Kommunikation ändert sich ständig etwas. Diese Veränderungen darf man nicht aus dem Auge verlieren. Ich jongliere also mehrere Dinge gleichzeitig: Gehe auf Veranstaltungen und Events netzwerken, halte mich auf dem Laufenden, arbeite an Aufträgen und meiner eigenen Webseite.

Nehmen lasse ich es mir aber nicht, dass eine oder andere Angebot auszuprobieren, mir dazu ein Bild zu machen und zu entscheiden, ob sich diese Möglichkeit zu meinen derzeitigen Plänen passt. Schließlich kann man nie wissen, ob sich es dabei, um den nächsten Quereinstieg in ein spannendes Projekt oder eine interessante Anstellung handelt.

Ich probiere gerne neue Dinge aus und sammle so weitere Erfahrungen. Durch die unterschiedlichen Tätigkeiten habe ich sehr viel über mich und andere Menschen gelernt. Es ist gut, wenn man Spaß an seiner Arbeit hat. Viel wichtiger ist – nicht nur als Quereinsteiger – aber den Spaß am Leben nicht aus dem Auge zu verlieren.

 

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